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Julias weltwärts-Freiwilligendienst in Bolivien
Mein Name ist Julia und ich bin für ein Jahr mit dem Programm weltwärts in Bolivien. Bevor ich meinen Freiwilligendienst antrat, waren meine Erwartungen wohl die üblichen. Ich wollte ein neues Land und seine Kultur kennenlernen und bei dieser Gelegenheit auch etwas sinnvolles tun, weshalb ich mich entschied, ein Jahr mit Straßenkindern zu arbeiten.
Natürlich spielte auch der Ausblick eine neue Sprache zu erlernen eine Rolle.
Was mir auch sehr interessant erschien war die Herausforderung alleine für ein Jahr in ein fremdes Land zu reisen, um dort neue Freunde zu finden, eine neue Arbeit kennen zu lernen und einfach etwas Neues und Aufregendes zu erleben.
Wider meinen Erwartungen fiel es mir sehr leicht mich einzugewöhnen und an die neuen Umstände anzupassen. Ich habe ganz schnell neue Freunde gefunden, da natürlich auch die ganzen anderen Freiwilligen aus aller Welt, die mit mir angekommen sind, niemanden kennen und wir uns von Anfang an gegenseitig unterstützt haben. Am Anfang unternimmt man auch viel mit der Organisation, die einem die Stadt zeigt und verschiedene Aktivitäten anbietet. Das Einleben geht also wirklich leicht und schneller, als ich mir das vorher vorgestellt habe.
Natürlich gibt es auch viele kulturelle Unterschiede. Das Land, die Leute und die Sitten unterschieden sich so stark von dem, was wir kennen und sind doch auch in vielem ähnlich. Vieles funktioniert hier anders. Das Wichtigste ist wohl die Geduld, die man in so ziemlich allen Lebenslagen haben muss. Es ist schwer zu erklären und man kann sich dieses Land einfach nicht vorstellen ohne es selbst gesehen zu haben.
Worauf man auch vorbereitet sein muss, ist, dass die Arbeit sehr einseitig sein kann, wenn man keine Eigeninitiative einbringt. Die Freiwilligen bekommen bei ihrer Ankunft selten eine Einführung in die Arbeit oder gar Anweisungen. Das heißt, man muss einfach selbst auf die Leute zugehen und sich die Arbeit suchen, weil man sonst leicht in eine Routine verfällt. Außerdem wird von den Freiwilligen auch Eigeninitiative erwartet, denn hauptsächlich sind wir da, nicht nur um die Kinder im täglichen Leben zu unterstützen, sondern auch um ihnen immer wieder eine Freude zu machen und Abwechslung in ihren Alltag zu bringen. Natürlich kommt es bei all dem auch immer darauf an, in welchem Projekt man arbeitet.
Mein Projekt heißt „Aldeas Alalay“ und ist ein Kinderdorf mit über 50 Kindern.
Alalay ist eine recht große Organisation, die mit Straßenkindern arbeitet und Verbindungen zu mehreren europäischen Ländern wie Österreich und Norwegen hat, von denen sie unterstützt wird. Neben dem Kinderdorf gibt es in La Paz noch drei weitere Alalay-Häuser, wo die Kinder, wie in der Aldea, Vollzeitbetreuung sowie Essen, Kleidung und alles was sie brauchen, erhalten.
Das Kinderdorf, in dem ich arbeite, liegt ca. 1 ½ Stunden außerhalb von La Paz. Neben den fünf Häusern, in denen die Kinder untergebracht sind, gibt es auch ein eigenes Haus für die Freiwilligen. Dort die ganze Woche über zu leben hat natürlich den Vorteil, dass man die Kinder viel besser kennenlernt, weil man den ganzen Tag mit ihnen verbringt. Man weckt die Kinder morgens auf, nimmt jede Mahlzeit mit ihnen ein, hilft ihnen bei ihren alltäglichen Problemen und bringt sie abends wieder ins Bett.
Ein anderer positiver Aspekt ist auch die Vielseitigkeit der Arbeit. In dem Dorf haben wir eine eigene Bäckerei, eine Näherei, einen Gemüsegarten und natürlich wird auch in der Küche immer Hilfe gebraucht, um die vielen Kinder zu verköstigen. Außerdem bieten die fünf verschiedenen Häuser die Möglichkeit, mit Jungen und Mädchen in verschiedenen Altersstufen in Kontakt zu kommen, auch wenn jeder Freiwillige hauptsächlich für ein Haus zuständig ist.
Kurz vor meinem Aufbruch habe ich noch ein Praktikum in einem deutschen Kinderheim gemacht, um mich ein bisschen auf die Arbeit vorzubereiten. Natürlich gibt es haufenweise Unterschiede zwischen einem Kinderheim in Deutschland und einem in Bolivien, aber es ist einfach sehr interessant den Vergleich zu haben und die Arbeit mit Kindern ist vermutlich auf der ganzen Welt irgendwie ähnlich.
Das Land an sich ist sehr traditionell. Besonders die Menschen vom Land, welche auch immer noch die traditionellen Trachten tragen, machen das Bild einzigartig. Es wird sehr viel Wert auf alte Traditionen gelegt, welche an zahlreichen Feiertagen durch große Feste zelebriert werden. Ansonsten ist das Land ein riesengroßes Chaos mit täglichen Demonstrationen und Straßenblockaden, in dem aber doch alles immer irgendwie funktioniert.
Nach 6 Monaten die ich jetzt schon hier bin, habe ich mich gut in meinem Projekt eingelebt. Ich kenne mittlerweile alle Kinder und liebe es, in den verschiedenen Häusern Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich habe mittlerweile meinen Platz gefunden und mag die Vielseitigkeit der Arbeit.
In meiner Gastsituation fühle ich mich sehr wohl! Ich wohne mit anderen ICYE-Freiwilligen in einer WG, womit ich sehr zufrieden bin. Da ich von Anfang an in keiner Gastfamilie wohnen wollte, ist das die perfekte Alternative für mich. Man muss sich, wenn man sich für eine Gastfamilie entscheidet, darüber im Klaren sein dass die Traditionen und Gebräuche sehr verschieden sind und man sich an die Regeln der Familie anpassen muss. Dafür bekommt man aber natürlich auch wesentlich mehr von der Kultur und dem typischen Familienleben mit. Mit der Zeit findet auch jeder seinen eigenen Freundeskreis, in den natürlich auch Einheimische eingebunden sind.
Wenn ich auf die Zeit zurückblicke, die ich jetzt schon hier bin gab es so einige Herausforderungen zu bewältigen. Es gab Momente, zum Beispiel wenn die Kinder absolut nicht hören und man sich völlig machtlos vorkommt, in denen ich mich gefragt habe, warum ich überhaupt hier bin. Nachdem ich mich aber eingelebt und meinen Platz gefunden hatte, wurde ich mit Erfolgen belohnt.
Ein Erfolgserlebnis war es zum Beispiel als ich einmal, wie es so oft vorkommt, alleine mit den Kindern esse musste und plötzlich feststellte, dass sie auf mich hören und es zum ersten Mal friedlich zuging, auch wenn der Erzieher nicht da war. Natürlich ist es auch ein tolles Gefühl, wenn ich lange Zeit mit einem Kind für etwas lerne und es dann eine gute Note schreibt. Auch wenn ich etwas für die Kinder vorbereite, z.B. einen Workshop, und sehe, dass sie viel Spaß dabei haben ist das ein tolles Gefühl.
Nach einem halben Jahr hier kann ich nur sagen, dass es bisher eine fantastische Zeit und eine unglaubliche Erfahrung war, die ich nur jedem empfehlen kann, der die Möglichkeit dazu hat. Ich freue mich noch weitere 6 Monate hier verbringen zu können und hoffe das sie genauso voll von neuen Erfahrungen und Erlebnissen wie die ersten sind.
