Aktuelle Blogs
AndrePaulinaLinda LeoJohannFrederike
Blogs unserer Freiwilligen aus früheren Jahrgängen
Felix (2008/2009)
Johannes (2008/2009)
Programme
weltwärtsADiAFSJ als ZivildienstersatzICJA ProgrammIntergenerationeller Freiwilligendienst
Kontakt
icja(at)icja.deTel 030-2123 8252
Links
www.icye.orgwww.abic.org.br (ICYE Brasil)
Soziale Netzwerke
Brasilien
Barbara in Brasilien
Mir gefällt es in meinem Projekt sehr. Dort gibt es fünf gehörlose Lehrer. Aber alle hörenden Lehrer können echt perfekt Gebärden. Ich war überrascht, denn in Deutschland können Lehrer in Gehörlosen-Schulen zwar auch Gebärden, aber nicht so perfekt wie hier. Es sind ca. 15 SchülerInnen. Der Lehrer ist gehörlos und immer nur am Dienstag da. Ich begleite und unterstütze ihn.
Ich gehe nicht zum Portugiesisch-Kurs, sondern zum Libras-Kurs. Was ich für sinnvoller halte, denn ich bin ja gehörlos. Das einzige Problem ist, dass meine Portugues-Kenntnisse schlecht sind. Aber zum Glück hat meine Dozentin mir viel geholfen. Sie ist auch gehörlos. Aber dank PONS, den ich in Deutschland gekauft habe, lerne ich schnell Portugues.
Die Exchangees aus Europa sind wirklich freundlich. Viele waren bereit, mir mit Papier und Stift zu übersetzen.
Ich bin seit zwei Wochen in meiner zweiten Gastfamilie. Die erste Gastfamilie war nur vorläufig. Die Familie ist nett. Ich lebe mit meiner Gastmutter und einer kleinen Schwester in einem Teil des Hauses. Meine kleine Schwester hat sogar ein wenig Gebärdensprache gelernt. Ich habe es ihr und ein paar Freundinnen beigebracht. Sie sind begeistert davon. Ich fühle mich trotzdem manchmal unwohl zuhause, wenn viele Leute da sind. Meine Gastmutter lädt gerne ihre Freunde und Verwandten ein. Aber mittlerweile habe ich mich an die Situation gewöhnt.
Ich habe mich zwar immer für Kultur interessiert, aber nicht so stark. Nun bin ich in Brasilien und habe Interessantes, vor allem auch für Gehörlose gefunden. Es ist ganz anders als die deutsche Kultur. Hier gibt es viele Feiertage: Tag der Kinder, am Montag ist der Tag der Lehrer. Am 26. September war der Tag der Gehörlosen. Ich kann mich nicht erinnern, ob es in Deutschland überhaupt einen Tag der Gehörlosen gibt.

Party Bruxa für Gehörlose - Gehörlosendemo
Letztes Wochenende gab es eine Halloweenparty. Ich habe zufällig eine Frau kennengelernt, die auch in Viamão wohnt. Sie war sofort bereit, mich nach Hause zu bringen. Völlig anders als in Deutschland sind die Menschen hier ganz unkompliziert.
Das zweite Bild entstand bei einer Demonstration. Die Gehörlosen kämpfen um Gleichberechtigung bei der Arbeit, der Uni und im Schulbetrieb. Ich habe sie unterstützt, denn ich weiß aus Erfahrung von meinen Freunden in Deutschland, dass es sehr schwierig für Gehörlose ist, eine Arbeitsstelle zu finden. Die Demonstration war zwar erfolgreich, aber die Regierung hat noch nicht reagiert. Wir kämpfen weiter!
Barbara Rott (Deutsche Freiwillige in Brasilien)
nach oben
Sandra war als Teilnehmerin des Internationalen Freiwilligendienstes für unterschiedliche Lebensphasen (IfL) in Brasilien (2006/2007)

Capoeira in seiner schönsten Form
Ich fühle mich nach vier Monaten in Brasilien sehr wohl hier und bereue auf keinen Fall, dass ich mich dafür entschieden habe, ein Jahr aus meinem Leben in Deutschland "auszubrechen" und etwas völlig anderes zu machen. Dass es mir gut geht, hat natürlich mit dem Land und vor allem mit den Menschen zu tun, die alle sehr nett, offen und hilfsbereit sind.
Wir hatten so oft über unsere Erwartungen und unsere Motivation geredet und geschrieben, aber ich habe das Gefühl, dass jetzt, wo ich wirklich hier bin, alles irgendwie anders aussieht. Mein Beitrag zur Verbesserung der Welt erscheint mir in der konkreten Arbeit kleiner, als ich es in Deutschland immer formuliert hatte.
Ich arbeite in zwei verschiedenen Projekten, einem Betreuungszentrum für Kinder und Jugendliche und einem Zentrum für Migranten, vor allem aus anderen lateinamerikanischen Ländern. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fällt mir ein bisschen schwer. Schon vor dieser Erfahrung hatte ich das Gefühl, dass ich dafür nicht unbedingt geeignet bin. Das hat sich in der konkreten Erfahrung durchaus bestätigt. Es ist zwar sehr interessant zu hören, wie die Jugendlichen in einer Favela wohnen, in welchen familiären Situationen sie aufwachsen, wie sie ihr Leben sehen und was sie davon erwarten. Aber so richtig wohl fühle ich mich dort nicht. Dafür gefällt mir meine Arbeit im Migrantenzentrum sehr gut. Das Zentrum ist Teil einer Kirche und die Menschen dort sind alle unheimlich nett und die beiden Padres, die dort arbeiten, beeindruckende Menschen. Meine Beitrag besteht aus Büroarbeit und aus Besuchen bei Migranten zu Hause, in Altersheimen oder im Krankenhaus. Meistens sind es ältere Menschen, die ich gemeinsam mit einem der Padres besuche, die allein sind und keine weiteren sozialen Kontakte haben. Natürlich war das am Anfang nicht so einfach, weil ich kaum portugiesisch gesprochen habe und mich deshalb bei diesen Besuchen schwer verständigen konnte. Aber inzwischen klappt das schon einigermaßen.
Das Leben in einer Gastfamilie bereitet mir zugegebenermaßen nach wie vor Schwierigkeiten. Ich habe bereits Anfang November einmal die Familie gewechselt, weil ich nicht zurecht gekommen bin. Jetzt wohne ich bei den Eltern eines Freundes, den ich hier kennen gelernt habe. Die Menschen sind sehr nett, bemühen sich um mich und ich werde stets ins Familienleben miteinbezogen. Es hat seine Vor- und Nachteile. Ich finde einfach, dass ich aus dem Alter raus bin, in dem elterliche Kontrolle gerechtfertigt und erträglich ist. Ich verstehe, dass sich die Gastfamilie Sorgen macht und dass das Leben in Brasilien gefährlicher ist als in Deutschland. Doch das einzige, was ich heftig vermisse, ist meine Wohnung und meine damit verbundene Freiheit und Selbständigkeit. Natürlich lerne ich in meiner Gastfamilie sehr viel über das Leben in diesem Land. Meine Gastmutter erteilt mir mit Begeisterung Lektionen in brasilianischer Kultur und Geschichte, bevorzugt morgens um halb acht beim Frühstück. Sicher ist es sehr interessant, auf diese Weise die Unterschiede der verschiedenen Gesellschaftsschichten kennen zu lernen. Die Denkweisen und Lebensanschauungen der weißen gehobenen Mittelschicht weichen doch sehr von denen der schwarzen Bevölkerung in den armen Vierteln ab. Doch die Menschen, die mit den armen und benachteiligten Bevölkerungsgruppen arbeiten, denken zum Glück anders.
Mit der Arbeit von ABIC bin ich sehr zufrieden, da gibt's wirklich nicht viel zu meckern. Die Mitarbeiter im Büro sind alle supernett, bemühen sich sehr um die Exchangees und sind immer bereit zu helfen, wenn man sie braucht. Dadurch, dass die ganze Gruppe in Porto Alegre ist und nicht über das ganze Land verteilt, ist es für ABIC natürlich relativ einfach, immer wieder Sachen für uns zu organisieren. Es gibt eigentlich jeden Monat einen gemeinsamen Ausflug, ein Picknick, eine Grillparty oder ähnliches. Dadurch trifft sich auch die Exchangee-Gruppe regelmäßig. Die Leute aus der Gruppe sind alle sehr nett, aber um einiges jünger als ich. Deshalb habe ich relativ schnell angefangen, mir andere Freunde und Bekannte zu suchen. Das hat den Vorteil, dass ich inzwischen viel Zeit mit Brasilianern verbringe und viel Portugiesisch rede, während die Umgangssprache in der Exchangee-Gruppe immer noch überwiegend Englisch ist.

Ich mit einer Stranddame in traditioneller Tracht
Und um noch kurz auf das Sprachproblem zu kommen: Es ist auf Dauer nervig, wenn man nie wirklich das sagen kann, was man möchte, weil einem dazu die Wörter und Ausdrücke fehlen, wenn man selten mitlachen kann, wenn sich alle amüsieren, weil man den Witz nicht verstanden hat, wenn man selber nie wirklich Späße machen kann, weil man die Sprache dazu nicht gut genug beherrscht bzw. wenn der Spaß für die anderen darin besteht, dass man die Sprache nicht beherrscht. Aber ich habe hier eine sehr gute Portugiesisch-Lehrerin gefunden, mit deren Hilfe ich diese Probleme sicher meistern werde. Ansonsten heißt es eben einfach: reden, reden, reden und wenn noch soviel Müll dabei rauskommt.
