Leonie in Ghana (2005-2006)




Von August 2005 bis August 2006 war ich mit dem ICJA in Ghana und habe also ein Jahr ghanaische Kultur, ghanaisches Essen, ghanaische Musik und – zu meinem Leidwesen- auch ghanaische Filme, sowie den ghanaischen Fahrstil erleben dürfen.
Man kann sich vorstellen: Das war ein kunterbuntes Jahr, das sich nicht so mir nichts dir nichts in einem „Erfahrungsbericht“ komprimieren lässt. Da ich euch aber dennoch an den Genüssen des ghanaischen Lebens teilhaben lassen möchte, nehme ich einfach einen Tag aus diesem Jahr heraus und versuche ihn so gut ich kann zu beschreiben.

Der erste Genuss eines neuen Tages war üblicherweise die schrille Stimme meiner Mitbewohnerin, aus der die pure Verzweiflung über das Nicht-Vorhanden-Sein des Stroms und des fließenden Wassers herauszuhören war. Es war nie genau vorhersehbar, wie lange wir auf die Behebung dieses Problems warten mussten, aber irgendeine Lösung fand man mit der Zeit eigentlich immer und die nötige Geduld zu haben lernt man in Ghana wie von selbst.


Meine erste Gastfamilie

Von unserem Haus fuhren wir dann mit dem Trotro zur Schule. Trotros sind kleine klapprige Busse, die meist erst dann losfahren, wenn sie restlos überladen sind.
Praktischerweise braucht man sich in Ghana um seine Verpflegung keine großen Sorgen zu machen, denn viele Verkäufer drängen sich um das Trotro und verkaufen von großen Tabletts, die sie auf ihren Köpfen balancieren, alles was man sich wünschen kann: Kekse, Wasser, Brot, Kaugummi, Zahnbürsten, Taschentücher und anderes. Hat sich jeder ausreichend mit Lebensmitteln und anderem Kram versorgt, kann es losgehen. Unterwegs kann man vom Fenster aus sehr gut das allmorgendliche Leben betrachten, welches sich fast ausschließlich draußen, vor den Häusern abspielt: Man sieht wie Wasser gepumpt wird, wie sich Kinder, komplett mit weißem Schaum bedeckt, waschen oder wie Frauen vor großen Töpfen stehen und Fufu, das Nationalgericht Ghanas stampfen.
Waren wir aber erst einmal aus dem Gewühle der Stadt herausgefahren, war ich jeden Morgen immer wieder aufs neue beeindruckt von der Regenwaldlandschaft, in der sich auch mittendrin die Schule, in der ich gearbeitet habe befindet. Da die „International Community School“ eine internationale Schule ist, läuft der Schulalltag, zumindest auf den ersten Blick gar nicht so anders ab als hier auch. Die Arbeit mit den Kindern war zwar manchmal sehr anstrengend, aber dafür haben mich die Kinder auch so oft zum Lachen gebracht, dass es mir immer sehr viel Spaß gemacht hat.


Konzentration bitte!

Abgesehen von der Mittagspause wurde der Unterricht noch vom Gottesdienst unterbrochen. Überhaupt wird in Ghana sehr viel gebetet und dazu auch gesungen und getanzt. Die meisten Menschen hier sind Christen, doch oft vermischt sich ihr christlicher Glaube mit den traditionellen Naturreligionen. Hier ist die Religion im Alltag sehr präsent. So gibt es zwar keine Anschnallgurte in den Autos, dafür aber immer einen beruhigenden Spruch wie: „God takes control“ auf der Heckscheibe.
Nach dem Schultag, so gegen vier, konnte ich, wenn ich die Muße hatte, noch das Marktleben genießen. Der Ausdruck „genießen“ ist an dieser Stelle vielleicht etwas euphemistisch, denn so sehr man sich auch über Liebenswürdigkeiten freut, spätestens nach dem 10. Heiratsantrag innerhalb einer halben Stunde hat man genug davon. Kumasis Zentralmarkt ist einer der größten Märkte Westafrikas und man sagt, dass man vielleicht, abgesehen von Flugzeugen, wirklich alles bekommen kann. Eine solche Menschenmenge hatte ich in meinem Leben noch nie zuvor gesehen und mir selbst bei noch so ausführlichen Beschreibungen nicht ausmalen können. Die Wellblechdächer der kleinen Hütten, aus denen die Waren verkauft werden, bilden endlose Linien, die bis an den Horizont reichen, die von den kleineren Linien der Gänge zwischen den Ständen unterbrochen werden. Sobald man sich einmal in das Treiben dieses Gangsystems begeben hat, ist es mit der Orientierung vorbei. Man irrt durch verschiedenste Geruchswelten. Je nachdem, in welchem Viertel des Marktes man sich befindet riecht man Seife, Öl, Gewürze, Rauch, Holz, Fisch, geräucherten Mais, Kochbanane oder Yams und vieles mehr.
Nach einem solchen Tag leiste ich mir dann mal ein „dropping-Taxi“ und lasse mich erschöpft für ungerechnet etwa einen Euro in einem klapprigen Taxi mit lauter schallender ghanaischer Musik durch das Hupkonzert der Straßen bis vor die Haustür fahren, wo ich dann erschöpft, aber glücklich in mein Bett falle.