Julia in Großbritannien (2006-2007)


Ich hatte noch gar nicht erzählt, dass Jim sich vor nun drei Wochen die Hüfte gebrochen hat. Ihr könnt euch sicher vorstellen wie es ist, sich die Hüfte zu brechen, für jemanden der weit über 80 Jahre alt ist und so schon schlecht laufen konnte. Die Zeiten in denen er nachts alle anderen verängstigt hat, weil er mit seinem Rollstuhl herum gerollt ist, sind vorbei. Jim hatte nämlich die Angewohnheit, nachts in seinem Rollstuhl durch die Gänge zu rollen und in die Zimmer der anderen zu platzen, weil er eine Krankenschwester suchte.
Für Ian Rawlingson, den ihr noch nicht kennt, haben sich auch alle Seiten zum guten gewendet. Ian hatte 2005 einen Unfall mit einer Wirbelsäulenverletzung und ist seit letztem Juni in Holehird. Er ist ein äußerst sensibler Mann, der zwischen zwei Fronten steht, seiner Frau und seiner Schwester. Seine Verletzung am Hals war aber nicht ganz so schlimm, da er dazu in der Lage ist, zumindest eine Hand zu benutzen und täglich eine Stunde Fahrrad (auf einem Hometrainer extra für Rollstuhlfahrer) fährt. Die gute Nachricht ist, dass seine finanziellen Dinge in die Wege kommen, er ein Haus gefunden hat und somit einer von den glücklichen ist, der - so hart es auch klingt - Holehird lebend verlässt. Denn neben Karen haben uns seit September drei Residents verlassen, wobei es bei allen eine Erlösung war. Bei einem der verstorbenen Bewohner war es für mich ein fester Schlag in die Magengrube.
Dorothy's Freundin Joyce wird demnächst zwei neue Knie bekommen. Warum ich das erzähle? Dorothy besucht Joyce meistens fürs Wochenende und nimmt uns damit ganz schön viel Arbeit ab.

Ich habe jede Woche eine andere Limo ausprobiert. Dr. Pepper ist so was wie Cola mit Kirschgeschmack und „believe it or not“, es ist noch süßer. Ginger Beer ist eine Art Zitronenlimo mit Ingwer. Beim ersten Mal fand ich’s toll und beim zweiten Mal haben sich meine Geschmacksknospen zusammen gezogen. Dandelion & Burdock schmeckt ganz interessant, bis auf den Punkt, dass man es im Wörterbuch als Löwenzahn & Klette übersetzt findet. Was Irn Bru angeht, so schmeckt es genauso wie es aussieht (ich würde die Farbe als neon-orange beschreiben)

Bye bye für heute, Julia.


Caroline in Großbritannien (2005-2006)


Nun arbeite ich schon seit über zwei Monaten als Freiwillige bei Treloar’s Trust in Alton, einer kleinen Stadt in Südengland. Treloar’s Trust ist eine Schule für Kinder mit körperlichen sowie geistigen Behinderungen. Die meisten Kinder haben Celebral Palsy oder Muscular Dystrophy aber auch Lernschwächen oder Epilepsie. Die Schule ist speziell auf die Behinderungen der Kinder eingestellt, damit sie so selbstständig wie möglich arbeiten können. Man versucht den Kindern zu ermöglichen, dass sie trotz ihrer Behinderung einen Schulalltag, wie andere Kinder auch, erleben können.

Meine ersten Monate hier in England sind eigentlich ziemlich schnell vergangen. Als ich angekommen bin, war ich erst eine Woche auf einem Vorbereitungsseminar vom EVS und danach ging es schon sofort richtig los. Ich dachte, es würde mir viel mehr ausmachen, so weit von meiner Familie und meinen Freunden weg zu sein, aber alles hier ist so spannend und interessant, dass man gar keine Zeit hat, über Heimweh nachzudenken.

Die Menschen haben mich sehr freundlich aufgenommen und ich habe das Glück, dass in meinem Projekt noch 15 andere Freiwillige arbeiten. Ich war den ersten Monat jeden Tag immer so müde, obwohl ich eigentlich viel Schlaf hatte. Aber das lag wahrscheinlich auch daran, dass man den ganzen Tag über eine fremde Sprache hört und auch sprechen muss.
Unser Schulcampus ist ziemlich groß und über 150 Schüler nehmen täglich am Unterricht teil. Der Großteil der Schüler wohnt in den Wohnhäusern auf dem Schulgelände, manche jedoch fahren täglich nach Hause. Es arbeiten also Lehrer, Klassenzimmer-Assistenten, Freiwillige, Hausbetreuer, Physiotherapeuten, Sprachtherapeuten, Krankenschwestern, Menschen, die jede Menge Büroarbeit machen und noch viele andere mehr zusammen, um den Kindern die bestmögliche Unterstützung zu geben. Wir sind wie schon gesagt 16 Freiwillige aus aller Welt hier und wurden auf die verschiedenen Arbeitsbereichen der Schule aufgeteilt. Ich arbeite in den Klassenräumen und helfe den Kindern im Unterricht.
In einer Klasse sind meistens 10-12 Schüler. Die Klasse wird von einem Lehrer unterrichtet. Es gibt aber immer einen zusätzlichen Assistenten und dann natürlich mich. Es ist sehr interessant, da jedes Kind seine ganz eigene Art zu arbeiten hat und ihm hier die notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden. Einige Kinder können nicht sprechen und man muss mit Hilfe eines Kommunikationsbuchs mit ihnen reden und so ihre Antworten auf verschiedene Fragen herausfinden. Am Anfang war es nicht ganz einfach, da man erst herausfinden musste, wie jedes Kind arbeitet und was für Mittel es benutzt, um zu kommunizieren. Aber mittlerweile weiß ich schon über ziemlich viele Bescheid und es ist einfach nur faszinierend, weil die Kinder, trotz ihrer Behinderung, problemlos aktiv am Unterricht teilnehmen können.

An den Wochenenden habe ich frei und besichtige meistens irgendwelche Städte hier in England. Ich bin nur eine Stunde mit dem Zug von London entfernt und fahre eigentlich fast jedes zweite Wochenende dorthin.
Natürlich vermisst man die vielen Menschen zu Hause schon ab und zu, aber nach England kann man wirklich billig telefonieren und die Flüge sind auch nicht so teuer!