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Henning leistete einen Freiwilligendienst als Ersatz für den Zivildienst in Honduras (2006-2007)

Mein Projekt heißt ABC-Honduras und wurde 1999 nach dem verheerenden Wirbelsturm Mitch von zwei Frauen, eienr Deutschen und einer Französin gegründet. Geleitet wird das Projekt vor Ort von Anaite Seibt, die vor ca. 30 Jahren aus Deutschland nach Honduras kam und hier mit ihrem Mann (Jean-Marie) eine Consulting-Firma betreibt. Die Aufgabe des Projektes besteht darin, dass die arme Bevölkerung in der ländlichen Gegend von La Ceiba langfristig durch die Bildung ihrer Kinder gefördert wird bzw. den Kindern die Möglichkeit gegeben wird, aus dem Kreislauf der Armut zu entkommen. Die Kinder werden von Paten aus Frankreich, Deutschland, England und sogar Afrika unterstützt.
Unsere kleine Schule liegt mitten im Dschungel. Hier gibt es keinen Strom, nur Wasser aus dem Fluss und viele Hühner, Schweine, Hunde, Kühe und Pferde. Die Menschen leben in „idyllischen“ Lehmhütten, wie man es nur aus Dokumentarfilmen kennt. Auch die Kinder sind vollkommen unberührt von irgendwelchen industriellen Errungenschaften wie Videospielen oder ähnlichem.
Natürlich hat all das auch eine Kehrseite. Die Menschen sind vollkommen von der Natur abhängig und besitzen keine Art von finanzieller Absicherung bei Hungersnöten, Unwettern und Krankheiten. So ist es leider üblich, dass Kinder schon im zarten Alter von 8 Jahren für den ganzen Tag auf die Felder geschickt werden, um die lebenswichtigen Nahrungsgrundlagen wie Mais und Bohnen zu ernten. Bei dieser in den Bergen sehr gefährlichen Arbeit sind sie nur mit einer alten zerschlissenen Hose und einer Machete bekleidet. Somit sind blutige Füße und Hände oder sogar Schlangenbisse an der Tagesordnung.
Jeden Morgen begleite ich einen Teil der Kinder und zwei Lehrer von meinem eigenen Haus in den Bergen zur Schule, wo dann bereits der Rest der Kinder uns erwartet. Der Weg zur Schule dauert ca. 40 Minuten und geht über einen Bergabstieg auf einem kleinen Trampelpfad durch den Dschungel bis zur Überquerung des Cangrejal Flusses (per Floß oder schwimmend). Auf dem Weg verschwinden andauernd einige Kinder im Gehölz, um etwas später mit den unterschiedlichsten Früchten wieder zu kommen, von denen ich die meisten noch nie in meinem Leben gesehen habe. Auf diese Art und Weise decken sie unbewusst ihren Vitaminbedarf, der durch das eher eintönige und knappe Essen vernachlässigt wird.
Meine persönliche Aufgabe in der Schule besteht darin, beide Lehrer zu unterstützen, in dem ich den Kindern beim Schreiben, Lesen und Rechnen helfe. Außerdem versuche ich, ein gewisses Umweltbewusstsein, Englisch- und Geographiekenntnisse zu vermitteln. Diese sind bei den Kindern aus den ländlichen Gebieten erschreckend schlecht, so dass schon hier die Gründe für die extremen Disparitäten zwischen der ländlichen und der urbanen Bevölkerung zu suchen sind.
Außerdem achte ich darauf, dass wirklich alle Kinder die Schule besuchen und nicht stattdessen von ihren Eltern zur Feldarbeit gezwungen werden. Hierbei erkennt man oft ein völliges Unverständnis der Eltern darüber, was Bildung für ihre Kinder bedeutet. Das Projekt ABC-Honduras hat sich zum Ziel gesetzt, eine nachhaltige Entwicklung zu fördern, so dass es für zukünftige Generationen selbstverständlich sein wird, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Eine Art „Trick“ dabei ist es, dass die Kinder in der Schule eine warme Mahlzeit erhalten und somit nicht auf die tägliche Arbeit auf den Feldern angewiesen sind. Leider ist es oft die einzige richtige Mahlzeit, die diese Kinder bekommen.
Meines Erachtens nach ist das Erlernen der englischen Sprache ein mehr als bedeutender Teil des ABC Projekts. Es ist eine Tatsache, dass Honduras mehr oder weniger ein Satellitenstaat der Vereinigten Staaten ist. Zwar haben sich die Zustände seit den Zeiten der „Bananen-Republiken“ (für die Honduras ein Paradebeispiel war) verändert, aber immer noch ist fast die gesamte Wirtschaft auf die USA ausgerichtet und erschreckend viele Institutionen und Unternehmen sind in privaten nordamerikanischen Händen. So ist man äußerst erstaunt, wenn man ein industrielles Produkt entdeckt, das tatsächlich vollkommen in Honduras produziert wurde. Um aus dieser Abhängigkeit zu entkommen ist es deshalb am praktischsten mit dem Strom zu schwimmen und die enge nordamerikanische Beziehung zu seinen eigenen Gunsten zu nutzen. Das Erlernen der englischen Sprache ist somit der erste Schritt, seine Mündigkeit in Bezug auf die industrielle, aber auch auf die touristische Wirtschaft zu erlangen.
Besonders der Aspekt des Tourismus spielt in Honduras und speziell an der Karibikküste, wo sich das ABC Projekt befindet, eine große Rolle. Hierbei sind Länder wie Costa Rica die Vorreiter, die bereits einen professionellen Tourismus betreiben. Honduras kann diese Art von „professionellem Tourismus“ jedoch bis jetzt lediglich auf den wenigen karibischen Inseln wie Utila und Roatan und in Copan, wo sich Maya Ruinen befinden, aufweisen. Der Rest des Landes hinkt drastisch hinterher.
Honduras hat das Potential eine äußerst lukrative Tourismusregion zu werden. Und ich bin optimistisch, dass bereits in wenigen Jahren der Name Honduras, nicht mehr für ein unbekanntes Land steht, das einst (und heutzutage leider immer noch in vielen Regionen) von der „Standard Fruit Company“ kontrolliert wurde.
Ich habe selbst erfahren, wie engagiert und offen die Menschen hier sind und wie sich eine große Veränderung abzeichnet. Das Land und die Menschen sind in Bewegung. Sie müssen sich lediglich dem Hemmschuh der teilweise sehr korrupten Behörden und Stück für Stück der nordamerikanischen Kontrolle entziehen.

Wer hat bei dem Spiel wohl mehr Spaß?
Ich hoffe, dass ich durch meine Arbeit in dem Projekt ABC-Honduras den Kindern eine kleine Chance geben kann in diesem zukünftigen Honduras zu bestehen und es sogar etwas mit zu gestalten. Vielleicht kann ich Kindern die Idee vermitteln, dass auch sie ein aktiver Teil dieses Prozesses sein können, da sie direkt vor Ort in den touristisch äußerst attraktiven grünen Bergen von La Ceiba leben, wo sich bereits jetzt ein kleiner Nationalpark befindet.
