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Paula in Indonesien - Bericht nach 3 Monaten

 

Ich bin angekommen. Angekommen in einem heißen und trockenen Land. Indonesien.

Alhamdullilah!
Die vielen Eindrücke bestürmen mich und ich finde mich nicht zurecht. Mit den Augen an der Scheibe des Autos klebend versuche ich Strukturen ausfindig zu machen. Vergebens.

In den ersten Tagen sieht jede Straße, jeder Essensstand, jeder Indonesier gleich aus. Ich erkenne keine Unterschiede zwischen Dörfern und Städten, weiß nicht wann man eine Örtlichkeit verlassen hat und wann die nächste beginnt. Alles scheint eine große Straße zu säumen, ich sehe noch keine Felder, keine mir aus dem Internet bekannten Bilder dieses Landes.

Ja, der Beginn einer solchen Reise begann bei mir ganz klar damit, mich zurecht zu finden! Ich verstehe den kleinen aber feinen Unterschied zwischen Touristen und dort lebenden Freiwilligen. Man ist nicht hier, um das Land zu bereisen, man ist hier um zu leben, am besten wie ein Einheimischer: vom Flughafen wurde ich zusammen mit fünf anderen Freiwilligen abgeholt und zum Ort der Vorbereitung gebracht. Die Tage dort waren eher mühselig als entspannend. Ich habe mehr Zeit mit Erwartung auf meine Gastfamilie verbracht als mir lieb war.

Als ich zum ersten Mal in meiner Schule stand, ging dieses Jahr für mich los. Der Kopf ist voll mit Hinweisen und ersten Sprachbrocken, so dass mir die Begrüßung mit den ansässigen Menschen ganz gut gelang. Man gibt sich die Hand, verbeugt sich leicht und führt sie anschließend an die Brust, vielleicht um den Gruß intimer zu verinnerlichen. Kein Gesicht ist bekannt, alle sprechen in dieser fremden Sprache miteinander und sind fein angezogen. Mein förmlichstes Hemd passt immer noch nicht zu diesem Büro mit seinen Menschen und ich schwitze merklich.

Ich gehe eine Gasse von Schülern entlang und gelange endlich auf einen Sessel, in dem ich versinke. Meine hier abnormale Größe und weiße Gesichtsfarbe lassen mich jedoch nicht verschwinden. Ich werde hier ein Jahr lang in diesem Land auffallen und ständig gefragt werden, woher ich sei, was ich hier mache, wie lang ich hier bleibe und warum ich schon so gut indonesisch sprechen kann.

Wenn ich mich allerdings wie eine arabische Frau vermumme, nur noch meine Augen zu sehen sind, ich ein wenig gebückt laufe und nichts sage – dann kann ich sogar auf ein Straßenfest gehen, ohne dass mich alle anstarren.

In meiner Schule wurde ich gefeiert wie ein Weltstar. Alle wollen Fotos machen, viele haben noch nie eine Weiße gesehen und ganz wichtig: weiße Haut ist hier das größte Schönheitsideal.

Zu meiner Ankunft fiel ebenfalls der Startschuss zum Ramadan, dem muslimischen Fastenmonat. Deshalb war im Schulhof eine riesige Bühne aufgebaut und es lief eine Show, moderiert von zwei Schülerinnen. Natürlich sollte ich eine Rede schwingen. Als ich aufgerufen wurde, hockte ich jedoch gerade über einem typisch indonesischen Klo und verfluchte mein Timing für glückliche Zufälle. Aus dem gemischt-geschlechtlichen Bad rauf auf die Bühne und los geht’s! Ich stotterte mir ein paar Worte auf Indonesisch ab, fügte ein paar englische bei und schämte mich ein bisschen, denn hinter mir stand auf großen Lettern, dass ich von der UNESCO sei. Das ist Indonesien!

Alles, wirklich alles, wird per Mikrofon verstärkt. Niemals klappt die Soundanlage richtig und ständig huschen aufgeweckte Indonesier umher um den Ohrenschaden gering zu halten. Leider werden auch die Gebete der Muezzin verstärkt, was die Natürlichkeit der Gesänge ein wenig zerstört und nebenbei für einen ziemlichen Lautstärkepegel sorgt.

Meine Gastfamilie habe ich auf Anhieb geliebt und daran hat sich bis heute nichts geändert. Indonesien ist ein Land, welches vor allem durch seine überaus freundlichen Menschen und die Natur besticht. Nebenbei ist die Sprachvielfalt (indonesisch, javanisch, arabisch) hier genauso berauschend wie die Kultur- und Religionsvielfalt.

Ich unterbreche den Bericht kurz um meine, am heutigen Tag selbst gewaschene, Wäsche einzuholen und somit vorm eben gerade sehr stark einsetzenden Regen zu schützen. Die Trockenzeit weicht nämlich allmählich der Regenzeit und die Gewitter ziehen über das Dorf hinweg und führen zu Überschwemmungen. Regencapes und Regenschirme werden ausgepackt.

Jedem sei ans Herz gelegt, Indonesien einmal zu besuchen, beziehungsweise als Freiwilliger für einen längeren Aufenthalt herzukommen. Es ist unglaublich und unbeschreiblich hier! Neben meinem Unterricht helfe ich auf Feldern bei der Ernte oder versuche mir Lösungsideen zur Schmutzbeseitigung auszudenken. Ich habe das Gefühl nützlich aber nicht lebensnotwendig zu sein.

Meine Schüler geben mir zu verstehen, wie sehr sie mich und den Unterricht mit mir mögen und bitten manchmal darum, das Klingelzeichen zu überhören und fortzufahren. Das sind Momente, in denen ich jeden einzelnen abknutschen möchte und vor Glück zerplatzen will.
Die ersten Tränen kamen mir, nachdem mein Gastvater in einer Rede erwähnte, dass er eine neue Tochter bekommen hätte – mich.

Ich habe kein Heimweh und gehe in dieser unglaublichen Umgebung auf.
Man kann dieses Jahr intim und herzlich gestalten – es liegt, wie so viel anderes auch, immer an einem selbst. Ist man hier um zu entdecken, zu erklären, zu genießen, zu arbeiten, zu staunen, teilzuhaben – oder lehnt man sich zurück, betrachtet von außen, verzieht sich, leidet, besinnt man sich zurück und vermisst man. Diese Entscheidung hat jeder selbst zu treffen.

Viele der indonesischen Eigenschaften möchte ich beibehalten und mitnehmen nach Deutschland. Da sind die Herzlichkeit, das Verhältnis zu Entfernungen, die Entspanntheit oder die Neugierde am Menschen zu erwähnen.

Mit vielen wüsten Bildern im Kopf bin ich in dieses Land gezogen. Fast alle Bilder waren falsch und ich habe erfolgreich alle Vorurteile abgebaut, die man über ein so selten kommentiertes Land haben kann.

Indonesien, es ist nun schon ein Viertel der Zeit vergangen und ich denke wehmütig an den Abschied von dir!

Indonesien

 

Caroline ist seit August 2009 für einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Indonesien

Bei meiner Ankunft in Indonesien bekam ich erstmal einen ganz schönen Schock. Nun könnte man meinen, ich hätte mich nicht mit meinem zukünftigen Gastland auseinandergesetzt, jedoch habe ich das versucht - was mir aber immer wieder automatisch in den Sinn kam: unendlich viele Mücken, überall riesige Insekten, große Dschungelgebiete und eine relativ streng muslimische Bevölkerung. Kurzum: meine Vorfreude auf den Aufenthalt in diesem Land am anderen Ende der Welt war erstmal ein wenig getrübt, weil ich kurz vor Abreise ziemliche Panik bekam. Doch nach dem Vorbereitungsseminar herrschten wieder positive Gedanken vor und ich konnte etwas lockerer an die ganze Sache herangehen.

Mittlerweile habe ich mich an vieles gewöhnt und finde auch Gefallen an den neuen Gegebenheiten. Ich mag es, dass es hier ganzjährig  warm ist, ich find es toll, andauernd aus exotischen Früchten frisch gepresste Säfte zu probieren oder mit Freuden auf dem Moped eine Runde durch die Stadt zu düsen.

Bei den vielen Erdbebennachrichten in den letzten Monaten war es aber doch schwierig, Außenstehenden zu erklären, dass ich davon erstmal gar nichts mitbekommen habe. Wenn es in den Nachrichten heißt: "Erdbeben in Indonesien" haben viele mich sofort in Gefahr gesehen. Den meisten ist natürlich nicht klar, dass ein Erdbeben auf der Insel Sumatra auch ziemlich weit weg für die Menschen auf der Insel Java ist. Ich hatte das Gefühl, dass teilweise von den Medien ganz Indonesien zum Katastrophengebiet erklärt worden ist. Aus diesem Grund war es manchmal schwierig zu vermitteln, dass wir uns auf Java auch mit der Insel Sumatra beschäftigen, aber dass das ganz normale Leben hier trotzdem läuft und ich auch weiter mein indonesisches Alltagsleben verfolge.

Auch in meinem Projekt gibt es inzwischen eine kleine Routine. Eine weitere ICJA-Freiwillige und ich arbeiten gemeinsam in einer Behindertenschule in Semarang – SLB Negeri Semarang. Dort werden behinderte Kinder von ca. 5 – 18 Jahren unterrichtet. Anfangs haben wir hauptsächlich als Assistentinnen der EnglischlehrerInnen in den Taubstummenklassen agiert. Jedoch können wir inzwischen mit besseren Indonesichkenntnissen auch in anderen Klassen mitarbeiten (z. B. im Kindergarten für schwerhörige und taube Kleinkinder, die dort das Sprechen lernen). Auch bei den Einzeltherapien für Kinder mit bestimmten Behinderungen unterstützen wir jetzt.

Anfangs wusste ich nicht so recht, wie ich den Unterricht in dieser Schule angehen sollte. Ich habe zwar schon in Deutschland in einer Werkstatt für Behinderte ein Praktikum gemacht und jetzt hatte ich wieder mit behinderten Menschen zu tun. Dennoch fand ich mich in einer anderen Postion wieder. Durch viel Beobachten, Nachfragen und Geduld habe ich dann einen Zugang zu meinem "Job" und - besonders wichtig - zu den Lehrern und  Kindern gefunden. Für alle Fälle gibt es auch die Englischlehrerin, die unsere Ansprechpartnerin an der Schule ist. Lobenswert finde ich an dieser Schule, dass sie sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten nutzt, um Kindern mit den verschiedensten Beehinderungen etwas beizubringen. Die Schule ist auf verschiedene Dinge eingestellt und das gefällt mir sehr. So gibt es z. B. neben dem normalen Unterrichtsräumen auch einen Musik-, Friseur- und Handarbeitsraum. Auch können die Schüler im Bereich Technik eigenständig arbeiten, z. B. unter Aufsicht ein Moped reparieren. Ich hoffe, dass sich meine Sprachkenntnisse bald soweit erweitern, dass ich auch in den anderen Bereichen der Schule unterrichten kann.

Das Einzige was ich manchmal an dieser Schule etwas schade finde ist, dass sie zwar Pläne fuer neue Unterrichtsmöglichkeiten macht, aber es dann doch nur bei Plänen bleibt. Wo es ans Umsetzen dieser Pläne geht, gibt es durchaus noch Verbesserungspotenzial.

Im Allgemeinen kann ich sagen, dass ich glücklich mit meinen Projekt bin, ich fühle mich willkommen und herzlich aufgenommen.