Martha in einem multilateralen Projekt des Europäischen Freiwilligendienstes (2006-2007)
Nun sitze ich hier in unserem Jugendclub, an diesem Bericht, der all denen helfen soll, die nicht genau wissen, wie sie das mit dem EVS anstellen sollen.
Ich bin Teil eines multilateralen Projekts. Man hat mir zwar vorher erklärt, was das bedeutet, aber richtig verstehen tue ich es erst jetzt. Die ganze Sache ist noch komplexer als bei einem normalen Projekt. Es handelt sich um einen Austausch zwischen Westeuropa und Süd-Osteuropa, oder nennen wir es der Einfachheit halber Balkan. Auf meinem Ausreiseseminar in Berlin traf ich auf andere Freiwillige aus Serbien, Montenegro, Mazedonien, Albanien, Polen, Spanien, Italien, Niederlande und Österreich. Alle aus der Balkan-Region machen ihren Freiwilligendienst in Westeuropa und umgekehrt.
Außerdem gibt es noch ein On-arrival-Seminar, das in eurem Gastland oder zumindest in der Nähe stattfindet. Meins war in Belgrad/Serbien. Ich konnte natürlich gut meine neuen Kontakte zu der Serbin und dem Montenegriner nutzen. Aber auch die Kontakte zu Freiwilligen aus Westeuropa, die ihren europäischen Freiwilligendienst ebenfalls in Balkanstaaten machen, erweisen sich als sehr hilfreich. Es ist immer beruhigend zu hören, dass man nicht die einzige Person ist, der Schwierigkeiten mit der anderen Kultur hat.
Stellt euch vor, ihr seid mit ein paar Freunden Samstagabend in Deutschland unterwegs auf einer Kneipen-Tour. Jeder trinkt sein Gläschen, jeder zahlt sein Gläschen und dann geht man noch woanders hin. Hier ist es oft so, dass man die Rechnung auf dem Tisch liegen hat und jeder einen Schein aus der Tasche zieht, bis die Rechnung beglichen ist. Kein ewiges Hickhack, darüber, wie jeder einzeln seinen korrekten Cocktailpreis bezahlt. Wie ich finde, ist es eine sehr schöne Tradition. Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Leute hier weniger geizig, obwohl viel ärmer sind!
Nun zu meinem Projekt. Vor 15 Jahren herrschte hier Krieg zwischen Serben und Kroaten und dummerweise haben einige Köpfe immer noch keinen Frieden geschlossen. Leider ist die Stadt noch ziemlich zerstört, trotz vieler Spenden und Aufbauhilfen. Wo viel Geld ist, gibt es wohl auch viele löchrige Taschen, so dass Gelder in die undurchschaubare Welt der Korruption fließen und am Ende natürlich keiner von etwas weiß. Aber sanierte Gebäude und Familien die nicht müde werden, die zerbombte Fassade ihres Hauses zu verputzen, machen Zuversicht.
Die Stadt gilt im Allgemeinen als langweilig: wenig Arbeitsplätze, wenige Perspektiven, nicht viel zu tun für die Jugend und der Kriegstourismus ist den meisten Vukovarern auch eher ein Dorn im Auge. Umso wichtiger ist es also, eine nichtstaatliche Organisation zu haben, welche frei von Vorurteilen, Depression und Korruption ist. Die Organisation trägt den Namen Mirovna Grupa Mladih „Dunav“ oder Youth Peace Group danube ( Jugend-Friedensgruppe Donau). Im Moment arbeiten wir an einer neuen Broschüre über Vukovar, welche die Stadt in einem andern Licht zeigen soll und beweist, dass Vukovar mehr zu bieten hat, als Kriegsruinen. Meine Hauptaufgabe dabei war, Fotos beizusteuern.
Bild 1:

Angeln, ein Teil der Tradition. Früher hielt ich es für langweilig, aber irgendwie scheint es den Leuten zur Entspannung/Selbstfindung zu dienen, und inzwischen glaube ich zu verstehen, worum es geht, nämlich nicht um den großen Fang.
Bild 2:

Wer würde auf die absurde Idee kommen, dass dieses wunderschöne Sonnenblumenfeld auf meiner Strasse vor wenigen Jahren ein Mienengebiet war.
Bild 3:

Diese Ruine ist nur eines der vielen Wunder von Vukovar. Niemand weiß, wer sich um die Blumen kümmert und es sind ganz sicher keine wildwachsenden.
