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Europäischer Freiwilligendienst

 

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Cornelia in Litauen


Ich arbeite in Litauen in einem Flüchtlingscenter, in dem zur Zeit etwa 80 Flüchtlinge, zum größten Teil aus Tschetschenien leben. Dies gibt mir Einblick in sehr viele verschiedene Kulturen, wenn dabei auch die litauische Kultur etwas zu kurz kommt. Es macht mir Spaß und ist sehr interessant, Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszufinden, sowie sich in Geduld zu üben, wenn man sich anfangs nicht versteht und das, oft nicht nur aus sprachlichen Gründen. Trotzdem stellt die Sprache ein großes Hindernis für mich dar, da die Flüchtlinge fast kein Litauisch können sondern nur Russisch und Tschetschenisch sprechen und ich weder das eine noch das andere kann. Allerdings findet man Wege miteinander zu kommunizieren, wenn dies auch oft sehr lange dauert.

Wenn ich die verschiedenen Kulturen vergleiche, so gibt es Unterschiede oder einfach Verschiedenheiten, die man mit Toleranz leicht überwinden kann. Dazu gehört zum Beispiel die andere Religion, womit zum Beispiel das Feiern des Ramadan verbunden ist oder eben andere Essgewohnheiten. Andere Dinge lassen sich schwerer überwinden, wie etwa die erniedrigende Stellung der Frau. Es gibt für mich keine Toleranz, wenn ich sehe, wie Flüchtlingsfrauen von ihren Männern geschlagen oder misshandelt werden. In anderen Fragen merke ich, dass in mir, aber auch in meiner Umgebung ein Prozess stattfindet. So gab es anfangs zwar viele Gespräche, aber es war für mich klar, dass all diese Geschichten aus der Vergangenheit der Flüchtlinge nicht stimmen. Nach und nach verstand ich, dass jeder Flüchtling zwei Gesichter hat. Und ich machte mich auf den Weg, das wahre Gesicht herauszufinden. Diesem begegnete ich zum Beispiel, wenn ich einen Raum betrat, in dem Männer Billard spielten, diese aber aufhörten, weil eine Frau den Raum betrat. Oder wenn wir jemanden trafen, der mich als Frau weder grüßte, geschweige denn mir die Hand gab. Ich hatte den Traum eines Tages mit einem tschetschenischen Mann Tischtennis zu spielen. Stück für Stück begann man sich anzunähern, Vertrauen aufzubauen. Man fing an sich „Hallo“ zu sagen, wenn man sich begegnete oder später sogar die Hand zu geben. Dann merkte ich, dass mir zwar weniger erzählt wird aber die Geschichten an Wahrheit und Offenheit gewannen. Und nach nun inzwischen einigen Monaten spiele ich regelmäßig mit den Männern Tischtennis und es ist keine Scham mehr da, wenn sie manchmal gegen eine Frau verlieren.

Auf der anderen Seite meiner interkulturellen Erfahrung steht die litauische Kultur. Als ich ankam, stellte ich fest, dass sie der deutschen Kultur teilweise sehr ähnlich ist. Doch nach und nach beginnt man die Unterschiede wahrzunehmen, zu schätzen oder eben sich manchmal nach Hause zu sehnen. Leider hatte ich mit der litauischen Kultur an sich sehr wenig Berührung, da ich in meinem Projekt wohne und dieses sich in einem Dorf befindet, welches hauptsächlich aus Kasernen, Soldaten und deren Familien besteht. Außerdem hatte ich keinen Sprachkurs, sodass es mir schwer fällt, mich auf Litauisch zu verständigen. Meine Wochenenden verbringe ich hauptsächlich mit anderen internationalen Freiwilligen, da es schwierig ist Kontakte zu Litauern zu knüpfen. Andererseits bekomme ich durch alltägliche Situationen natürlich schon Einblick in das Land und erfahre zum Beispiel bei Museumsbesuchen etwas über Kultur und Geschichte. So habe ich Deutschland auf eine andere Art schätzen gelernt.

Ich bin in einem Raum in meinem Projekt untergebracht, der sehr gut ausgestattet ist, allerdings keine Kochmöglichkeit bietet. So muss ich, um in die Küche zu gelangen in ein anderes Gebäude, was im Winter sehr anstrengend sein kann, besonders wenn man dort oft lange warten muss, bis ein Beauftragter der Security kommt und mir den Schlüssel gibt. Mein Privatleben gestaltete sich auf diese Weise sehr schwierig, da man ständig in Kontakt mit den Flüchtlingen ist und auf der Hut sein muss. Besonders heikel ist es, wenn man eine 19-jährige Frau mit EU-Pass und permanent mit einsamen Männern zwischen 18 und 24 Jahren in Kontakt ist. Oft werden die Männer da sehr direkt.