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Alena in Marokko (2004-2005)
Wir verständigen uns mit Zeichensprache
Ende Januar sind es sechs Monate, die ich in Marokko lebe und arbeite. Mittlerweile habe ich mich eingewöhnt und es geht mir gut.

Hammelschlachtung - sieht irgendwie nach Anstrengung aus
Meine Gastfamilie ist sehr nett. Mit meinen beiden Schwestern (19 und 30) und meinem Bruder (33) habe ich ein freundschaftliches Verhältnis. Zwischenzeitlich hatte ich einige Auseinandersetzungen mit meinem Gastbruder, was Ausgehen mit Einheimischen anging. Wir diskutierten lange und oft und auch jetzt ruht das Problem nur, bis ich das nächste Mal den Wunsch verspüre, Marokkaner kennen zu lernen, um nicht nur mit den anderen europäischen Freiwilligen zusammen zu sein..
Die Arbeit im Krankenhaus ist ähnlich, wie ich sie mir vorgestellt habe: Jeden Vormittag sitze ich im Spielzimmer des Kinderkrankenhauses in Rabat, das für die krebskranken Kinder bestimmt ist. Meine Aufgabe ist es, Kinder zu beschäftigen, denen langweilig ist, die nichts zu tun haben und auf ihre Untersuchungen warten. Ich betreue keine einheitliche Gruppe, sondern stelle mich jeden Tag auf neue Kinder ein. Manche besuchen das Krankenhaus regelmäßig, andere sind für ein paar Wochen oder Monate dort und verlassen uns dann wieder. Mit den Kindern in Kontakt zu kommen, war weitaus leichter, als ich befürchtet hatte. Wir verstehen uns durch meine wenigen Arabischkenntnisse oder Zeichensprache. Zusammen mit ihnen spiele und bastle ich. Dabei sind die Möglichkeiten, größere Aktionen in Angriff zu nehmen, durch Mangel an Material, die verschiedenen Altersstufen der Kinder und die Sprachschwierigkeiten aber beschränkt. An manchen Wochenenden helfe ich einem Animateur, der ebenfalls freiwillig mit den Kindern arbeitet, Feste durchzuführen und mit den Kindern zu singen und zu spielen.

Das Spielzimmer im Krankenhaus
Zwei Mal in der Woche besuchen wir Freiwilligen einen Französischkurs, der mir persönlich gut gefällt und mich sowohl in Sprache als auch Landeskunde weiterbringt. Meine Klasse besteht mit zwei Ausnahmen aus Frauen und wird von einer Kanadierin unterrichtet, die auch Themen anschneidet, die sonst möglicherweise verschwiegen würden. So ist es für mich immer interessant und anregend, mit den Frauen zu diskutieren und ihre Sichtweisen kennen zu lernen.
Die nächsten sechs Monate werde ich noch einmal genießen, Freunden und Familie mein derzeitiges Zuhause zeigen und das Land erkunden. Selbst wenn es immer mal wieder Momente gibt, in denen ich mich nach der Freiheit sehne, die ich in Deutschland genießen kann; die Erfahrungen, die ich mache, sind auf jeden Fall wichtig und ich bin froh, den Schritt gemacht zu haben, ein Jahr in Marokko zu verbringen.
Wiebke in Marokko (2004-2005)
Es hieß Abschied nehmen: Abschied von einem gewohnten Leben in Deutschland, um ein Jahr in Marokkos Hauptstadt Rabat einen Freiwilligendienst zu machen.
Natürlich hatte ich mich vorher über das Leben und die völlig andere Kultur erkundigt, aber ich konnte mir immer noch keine Vorstellung über das Land machen.
Ich bin mit einer anderen Freiwilligen, Alena, angekommen und wir wurden vom Flughafen in Casablanca von drei Männern, alles Mitglieder der Organisation CSM, abgeholt. Der erste Eindruck, als ich durch die Tür des Flughafens kam: heiß hier, schön hier, anders hier. An den Straßenrändern standen überall Palmen, die ein so ganz anderes Flair ausstrahlten und Deutschland einfach verdrängten. Auf großen Plakaten war der König abgebildet, der sein Volk anlächelt, und überall waren marokkanische Flaggen aufgehängt. Als wir in Richtung Rabat fuhren, waren ebenfalls die vielen militärischen Elemente, die man überall vorfand, überwältigend und einschüchternd: vor vielen Gebäuden stehen Wachmänner mit riesigen Maschinengewehren, um diese vor Eindringlingen zu schützen; manchmal patrouillieren sie einfach nur entlang einer Straße oder schauen ziemlich grimmig drein. Daran gewöhnt man sich aber und nun ist es für mich nichts Ungewöhnliches mehr, von einem Soldaten gebeten zu werden, die Straßenseite zu wechseln, weil man nicht mit diesen wichtigen Gebäuden in direkten Kontakt kommen soll. Trotzdem musste ich lernen, dass die Polizei nicht gerade dein Freund und Helfer ist, denn sie ist ziemlich korrupt und versucht ständig, einem das Leben schwerer zu machen. Sie hält manchmal Fahrer an, die angeblich über Rot gefahren sind, obwohl es gar nicht stimmt und verlangt dann eine wahnsinnige Summe. Man verhandelt kurz, einigt sich auf einen Preis und darf dann weiterfahren. Aber solche Vorfälle bekommt man nur selten mit.
Ich sollte auf der Nachbarstation von Alena arbeiten, deren Hauptschwerpunkt Diabetiker und allgemeine Medizin ist. Am Anfang habe ich immer eine Diätassistentin begleitet, die Ernährungskurse an die Kinder mit Diabetes gegeben hat. Ich arbeite viel mit den Krankenpflegern zusammen, helfe ihnen beim Blutabnehmen und Infusionen legen und begleite die Mütter mit ihren kranken Kindern von und zu ihren Zimmern. Ebenfalls helfe ich bei der Medikamentenverteilung jeden Tag um 10 Uhr. Insgesamt ist dies sehr interessant für mich, da ich einen Einblick in das Krankenhausleben bekomme. Den Rest der Zeit verbringe ich mit der Diätassistentin und den Diabetikern. Wir erklären ihnen, zu welcher Uhrzeit sie was essen dürfen und worauf sie zu achten haben. Es gibt einen festgelegten Plan mit Essenszeiten und den Mengen, die sie zu sich nehmen müssen. Auch erfahren sie, was sie im Falle einer Unter- oder Überzuckerung machen müssen und wie sie diese vermeiden. Man kann sagen, dass es ein Sensibilisierungsprogramm für Kinder wie für Eltern ist, damit sie genau wissen, welche Krankheit sich hinter dem Wort Diabetes versteckt.
Jeden Mittwochnachmittag gibt es eine Art Treffen für alle Betroffenen, an dem sie sich austauschen können und mehr Informationen erhalten. Ein Thema wird vorbereitet, das dort präsentiert und abschließend besprochen wird. Somit ist es eine Art Hilfe zur Selbsthilfe, denn die Mütter tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig.
Ich arbeite gleichzeitig mit der Assistance Social von meiner Station zusammen. Wir verteilen freitags Milch und Kekse an die Kinder, denn der Freitag ist hier so etwas wie der Sonntag bei uns: Ein religiöser Tag, an dem man erst in die Moschee geht und danach Couscous isst.
Durch ihn habe ich eine Vertreterin der Amerikanischen Botschaft getroffen, die in vielen Vereinigungen mitwirkt und mich gelegentlich mitnimmt. Durch sie habe ich von „Operation Smile“ erfahren, einer Organisation, die kostenlos Kindern mit Missbildungen der Lippe und der Zähne operativ hilft. So habe ich Pakete mit Hygieneartikeln, Süßigkeiten, Kleidung und Spielzeug für derartige Projekte gepackt, da dass Team von Ärzten und Krankenschwestern immer in unterschiedliche Städte fährt. Außerdem haben wir letzte Woche eine „Fondation pour les Handicaps“ in Rabat besucht. Dort benötigen sie wirklich Freiwillige.
Manchmal werden in unserem Kinderkrankenhaus Feste veranstaltet, bei denen Alena und ich auch mitwirken. Im Moment sind sie aber weniger geworden; besonders während des Ramadans fanden sie fast jedes Wochenende statt.

Schlemmen nach Sonnenuntergang - Ramadan
