Robert leistete einen Freiwilligendienst als Ersatz für den Zivildienst in Mexiko (2006-2007)


¡Hola ihr da draußen!
Nun bin ich schon fast fünf Monate im Land der Azteken, Traumstrände, Regenwälder und Wüsten und lebe in einer der größten Städte der Welt.
Alles hat angefangen, als ich mit dem Flugzeug am 2. August über Mexiko City schwebte. Diese Stadt ist einfach riesengroß. Man sah ihre ganzen Lichter, die Berge, die Mexiko City umgeben. Mexiko City liegt in einer Höhe von 2200 Meter und ist einfach eine ganz komplett andere Welt als Deutschland. Es liegt in einem Berghochland. Früher war hier mal ein großer See, an dem eine der großen Aztekenstädte Tenochtitlan lag. Noch heute kann man neben dem Zocalo (großer Hauptplatz) Ruinen davon besichtigen. Das meiste wurde mit der Invasion der Spanier im 15.-16. Jahrhundert zerstört. Diese Stadt ist unglaublich. Es gibt hier alles: Riesige Shopping-Malls, weitläufige Schwarzmärkte, Wolkenkratzer, riesige Highways, krasse Unterschiede zwischen Reich und Arm, Slumviertel und Villenviertel, korrupte Polizei und Regierung, sehr schlimme Raubüberfälle (mich hat es auch einmal erwischt), ein schönes historisches Stadtzentrum, ganz viel Verkehr, Verschmutzung etc. Das klingt nicht positiv, aber ihr müsst hier herkommen. In Mexiko City ist immer was los, es wird einem einfach nicht langweilig. Mexiko ist sehr vielfältig: Strände im Westen und Osten des Landes, Wüsten im Norden und Regenwald, Pyramiden, Wasserfälle, Höhlen, spanische (Traum-)Kolonialstädte und indigene Völker im Süden, zudem Vulkane und viele Berge. Man kann einfach und halbwegs billig mit dem Bus reisen.

Ich lebe mit Studenten und einem Hund in einem Haus. Ich kann kommen und gehen wann ich will und auch mal Partys schmeißen.
Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit und man findet schnell Freunde. Die ganze Welt wird zur Fiesta eingeladen, man trinkt Tequila und tanzt. Ich sage euch, wenn man herkommt, lernt man richtig tanzen. Jeder Mexikaner hat diverse Standardtänze drauf, von Salsa, bis Cumbia über Merengue. Da ich selber Fiestas und Tänze mag, ist das genau richtig für mich.

Ich arbeite nun schon fast fünf Monate mit Straßenkindern in Mexiko City, das Projekt heißt „Fundacion Pro Niños de la calle“. Das Ziel unser Vereinigung ist, die Kinder von der Straße wegzuholen. Morgens um neun kommen sie in unser Tagescenter. Sie können sich bei uns duschen und erhalten frische Kleidung, die wir einen Tag zuvor von ihnen erhalten haben, um sie zu waschen. Anschließend gibt es um ca.10:30 Uhr Frühstück. Danach folgen meistens Spiele außerhalb. Dann betätigen wir uns kreativ, wie z. B. basteln, malen oder auch schreiben üben, denn viele sind Analphabeten. Mittagessen gibt es um 15 Uhr. Die Kinder hauen ordentlich rein, denn um 16:30 Uhr müssen sie unser Haus verlassen und für die Nacht wieder zurück auf die Straße.



Am Morgen um neun Uhr kommen einige im Drogenrausch an und wir können sie deswegen nicht ins Tagescenter lassen, was sie aggressiv macht. Außer mir gibt es noch weitere Freiwillige, zwei Japaner, zwei Deutsche, eine Spanierin und zwei Schweizerinnen.
Man muss den Kindern sehr viel Aufmerksamkeit schenken, damit sie das Gefühl haben, dass auch sie wichtig sind. Es fällt auf, dass ihnen die Liebe fehlt, die sie normalerweise in einer Familie erhalten hätten, denn sie "überfallen" regelrecht unsere weiblichen Volontäre, die auch in meinen Alter sind. Sie umarmen sie, wollen sie küssen und fragen, ob sie nicht ihre Freundinnen sein wollen. Gerade bei den 14-17 jährigen ist das sehr auffällig. Eine Freiwillige musste sogar aufhören hier zu arbeiten, da die Jungs sie nicht mehr in Ruhe gelassen haben.
Auf der Straße suchen wir die Kinder, um sie ins Tageszentrum einzuladen. Das mache ich nun ca. zwei Monate schon. Es ist teilweise sehr anstrengend. Ich laufe in der gesamten Stadt herum und suche Kinder, um sie zu überreden zum Tageszentrum zu kommen. Mir gefällt das sehr. Dadurch sehe ich sehr viel von der Stadt und auch, wie die Kinder leben. Sie wohnen unter und zwischen Brücken, am Straßenrand, auf Mülldeponien, in U-Bahnschächten und in Parks. Man muss sie rausholen, aber das ist gar nicht so einfach. Sie haben sich daran gewöhnt auf der Straße zu leben, sind abhängig von Drogen und wollen deswegen nicht zum Tageszentrum kommen, da sie dort drogenfrei sein müssen und weil bestimmte Regeln zu befolgen haben. Auf der Straße hingegen lebt jeder wie er will. Wir spielen mit ihnen auf der Straße Spiele, um Vertrauen zu schaffen. Dann fragen wir sie, ob sie eine Familie haben, seit wann sie auf der Straße leben etc.



Wir kehren für zwei Wochen immer wieder zu einem Straßenkind zurück. Wenn es dann immer noch nicht zum Tageszentrum gehen will, dann lassen wir es in Ruhe. Nach einem Monat schauen wir noch einmal nach dem Kind, damit es auch ein wenig Zeit hatte, über sein Leben nachzudenken. Für mich ist das eine sehr intensive Erfahrung. In den letzten Tagen war ich mit einer Ecuadorienaerin, die aus Spanien kommt und einer italienischen Freiwilligen in der gesamten Stadt unterwegs. Wir reden immer ziemlich viel, wenn wir so unterwegs sind, z.B. in der U-Bahn und Straßenkinder suchen, da lernt man viel und schnell Spanisch.
Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß, weil ich dahinter einen Sinn sehe und die Mitarbeiter sehr nett sind. Es freut mich, wenn die Kinder einfach nur mal Kinder sein können und für ca. sieben Stunden nicht auf der Straße sind. Sie erhalten durch das Projekt eine Struktur, eine Regelmäßigkeit, soziale Kontakte und treffen Menschen, die sich mit ihnen beschäftigen wollen.

In diesem Land ist mir nie langweilig und ich bin rundum zufrieden mit meinem Projekt, der Wohnsituation und dem Leben an sich. Am Anfang habe ich kein Wort Spanisch verstanden, weil alle so schnell reden. Nach fünf Monaten kann ich schon fast alles verstehen und mich sogar ausdrücken. Mit diesem Bericht will ich mich auch beim ICJA bedanken, der mich mit den Seminaren super vorbereitet hat.