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Elena in Nepal


Inzwischen ist der vierte Monat, in dem ich in Nepal bin, angebrochen und ich habe mich ziemlich gut eingelebt, auch wenn’s zwischendrin ein paar Schwierigkeiten gab, wie z. B. dass einige aus dem Heim mich eine Zeit lang ständig nach Geld für Reis, Krankenhaus, etc. gefragt haben und ich das Gefühl hatte, dass Freiwillige eine willkommene Zusatzeinnahmequelle sind. Des weiteren war ich 3-4 Wochen lang ständig krank und habe so ziemlich alles ausgekostet, was man so in Nepal an gängigen Krankheiten kriegen kann: Diarrhoe, Kotzerei, Fieber, Erkältung, Augenprobleme von der hohen Luftverschmutzung in Kathmandu, usw. Doch das habe ich jetzt ganz gut im Griff. Meine Laune war auf dem Nullpunkt. Ich aß nicht mehr im Heim, denn komischerweise kann ich außerhalb in den übelsten Kaschemmen essen und mir passiert nichts. Ich wollte sogar nach Hause fliegen, aber das wäre nicht die Lösung gewesen. Wenn ich mir die Situation jetzt ansehe, auch wenn ich noch eine Menge Zeit vor mir habe, mir wird das hier alles sehr fehlen. Ich habe alles aus dem Flugticket rausgeholt, was möglich war, denn wenn ich schon mal in Asien bin, will ich die Möglichkeit auch nutzen. Das heißt allerdings, dass ich im Dezember für einen Monat nach Indien gehe, weil ich sonst Visaprobleme bekomme. Als Ausländer sind einem nur 150 Tage in Nepal erlaubt. Anfang Januar gehe ich dann wieder zurück nach Nepal bevor ich nach Hause fliege. Ungelegen kommt mir das aber gerade nicht. Ich werde wohl mit der Dänin aus meiner Gruppe rübergehen.

Tja, die Orphanage selbst: Ich glaube, darüber habe ich noch gar nicht soviel geschrieben. Wir haben ca. 43 Kinder hier und inzwischen nur noch 4 Angestellte, nachdem 3 verschwunden sind. Die eine hat keinen Lohn für einen Monat gekriegt, zusätzlich auch nicht das Geld, dass sie meinem Gastvater geliehen hat. Die zweite hat ihrer Meinung nach auch zu wenig Geld bekommen und die dritte ist irgendwann einfach so verschwunden. Warum weiß ich auch nicht. Vielleicht lag es daran, dass sie ständig krank war und weder sie, noch Bikram Geld für das Krankenhaus hatten. Wenn man in Nepal Mitarbeiter beschäftigt, ist man so gut wie völlig für sie verantwortlich. Krank waren hier allerdings einige in letzter Zeit. Der Hauptgrund ist unter anderem, dass wir hier einfach zu dreckiges Wasser haben. Die Kids haben ständig irgendwelche schlimmen Hautausschläge an allen möglichen und unmöglichen Körperstellen, Kopfschmerzen wohl auch, weil sie zu wenig trinken, und natürlich Durchfall, Fieber, etc. Das alles ist besser geworden, da das Heim inzwischen eine Menge Unterstützung von einigen Amerikanern und Iren erhält, die Fundraising in ihrer Organisation betreiben und Geld für verschiedene Dinge ausgeben. Wie zum Beispiel für neue Matratzen, Decken, Kopfkissen, Kleidung, sogar jeden Morgen Milch für die Kids, jeden Tag einen Apfel oder eine Banane und samstags sogar Fleisch. Dazu kommt, dass wir jetzt auch einen Wasserfilter haben. Ich denke, inzwischen geht’s den Kids wirklich ganz gut, im Gegensatz zu vorher. Früher hatten wir manchmal Probleme, ihnen überhaupt etwas zu Essen zu geben, weil kein Geld da war, oder Essen zu kochen, weil kein Geld für Gas oder Kerosin da war. Das war eine ziemlich traurige Angelegenheit. Man selbst konnte noch immer außerhalb Essen gehen, aber die Kids leiden zu sehen, war wirklich schlimm. Die Dinge haben sich verbessert und die Kids sind jetzt viel fröhlicher und spielen und lachen mehr. In der letzten Zeit war ich öfter bei den Treffen dabei, bei denen organisatorische Dinge zwischen den Amerikanern, Iren und den drei Orphanages besprochen werden. Ich habe jetzt einen besseren Überblick, auch wenn mein Nepali nicht gerade berauschend ist. Man bekommt großen Respekt vor der Arbeit und dem Enthusiasmus der Mitarbeiter und es scheint, als hatten sie fast keine Zeit zum Schlafen.

Sonst ist es hier morgens und abends schon arg kalt. Tagsüber brennt zwar immer noch die Hitze und man merkt den Unterschied extrem. Da es nur kaltes Wasser zum Waschen und Duschen gibt, möchte man sich am liebsten gar nicht mehr waschen, geschweige denn duschen. Heute habe ich mit Bikram zusammen Viva Bell, eine von den Irinnen besucht, um Organisatiorisches zu besprechen und sie hat mir hinterher angeboten, bei ihr eine heiße Dusche zu nehmen. Nicht, dass ich so sehr gestunken hätte, aber es war dann doch ein willkommenes Angebot. Außerdem bot sie mir an, jederzeit wiederzukommen. Eine ziemlich nette Frau, genauso wie Macha, einer der Nepalis, der für die Orphanages die Verwaltung macht. Ich war gestern bei ihm und seiner Familie und wir haben uns lange unterhalten. Von den zwei Küchenmitarbeitern bin ich zu Darshain, einem großen Festival, das gerade vorbei ist, zu den Verwandten eingeladen worden und es gab Tika. Während Darshain hatten die Kids 15 Tage lang Ferien. Es wird dabei der Sieg der Göttin Durga über die dunklen Mächte gefeiert. Außerdem besucht man in der Zeit die Verwandten und es gibt Geldgeschenke und Kleidung. Am ersten Tag von Darshain kamen drei Deutsche an der Orphanage vorbei und spendeten eine gehörige Menge Geld, so das Bikram für alle Kids feste Schuhe für die kalte Jahreszeit kaufen konnte. Des weiteren haben wir eine Ziege geschlachtet. Santosh, einer der älteren Jungs hat mich morgens gegen fünf aus dem Bett geholt, damit ich der Schlachtung beiwohnen und Fotos machen kann. Irgendwie ging alles ganz schnell. Alle haben Witze gemacht, der Kopf wurde abgehackt, das Blut in einer Schüssel aufgefangen, heißes Wasser geholt und über den Körper gegossen, damit das lange Fell abgeht. Nach und nach wurde das Tier in Einzelteile zerlegt. Daraufhin haben wir drei Tage lang Fleisch gegessen. Da war wirklich alles dabei, was das Tier zu bieten hat. Vom Fleisch über die Innereien, Pansen , Magen, Blut, etc. Gut, dass ich nicht so genau wusste, was ich aß, obwohl ich manchmal schon ein seltsames Gefühl hatte. Das kommende Festival ist Tihar und fängt nächsten Freitag an. Soll wohl wie Weihnachten sein. Die Stadt ist voller Kerzen und Lichter. Man geht wieder in den Tempel und kriegt Tika, besucht Verwandte und bekommt Geschenke.