David in Neuseeland (2006-2007)

An die andere Seite der Welt!


Mir geht es hier unten in Neuseeland mehr als gut. Ich hatte das erste halbe Jahr lang ein superbes Projekt in Auckland, in dem ich als Deutsch- und Kunstlehrer für 10-13jährige gearbeitet habe. Meine Gastfamilie ist klasse. Ich habe es mehr als genossen, nach der Arbeit in den Whirlpool hüpfen zu können oder im Garten zu relaxen. Der Strand ist ungefähr fünf Minuten Fußmarsch von der Schule entfernt, ihr könnt euch also vorstellen, wo ich meine Nachmittage verbringe. Ich habe mir in den letzten Wochen bestimmt fünf Mal einen Sonnenbrand geholt.
Weihnachten und meinen Geburtstag verbringe ich mit einigen anderen Volunteers in der Villa einer Offiziellen. Dort gibt’s auch wieder mal einen Whirlpool, einen Tennisplatz und was weiß ich noch alles. Ihr seht, es mangelt mir an nichts. Anschließend beginnt unser Reisemonat, in dem wir zu zehnt mit zwei gemieteten Autos die Südinsel bereisen.
Das nächste halbe Jahr, wird dann aber komplett anders: Ich werde in einem Jugendlager arbeiten, welches 20 Fahrminuten von dem nächsten größeren Ort entfernt liegt. Dort herrscht striktes Alkohol- und Rauchverbot. Außerdem gibt es nur vegetarisches Essen.




Silke in Neuseeland

In Neuseeland ist das Austauschjahr in zwei Hälften aufgeteilt, fünf Monate auf einer Farm und fünf Monate soziale Arbeit. Bis Weihnachten war ich also auf einer Dairy Farm in Wellsford. Wir hatten knapp 200 Milchkühe, die dazugehörigen Kälber und etwa 100 "beefies" (Rinder für die Fleischproduktion). Da gab es natürlich immer was zu tun: melken, Tiere auf neue Weiden treiben, Zäune reparieren, Heu verfüttern, Kälber einsammeln und füttern, und am Ende des Tages dann wieder melken. Und falls es wirklich mal nichts zu tun gab, war da immer noch das Disteln aushacken.
Mein Gastvater, unser Arbeiter und ich sind also den ganzen Tag mit unseren four-wheelers (so vierrädrige Motorräder, es macht super Spaß die zu fahren) von einer Aufgabe zur anderen gefahren. Ich hatte auf alle Fälle eine gute Zeit dort. Meine Gasteltern haben es ziemlich ernst genommen mit meiner „Farm experience“, und so musste ich von 7 Uhr früh bis abends nach dem Melken arbeiten. Nicht, dass ich besonders verantwortungsvolle Sachen machen musste, aber gerade zum Ende hin war ich manchmal ganz schön frustriert.
Trotzdem hatte ich eine supertolle erste Austauschjahrhälfte. Britta war auf einer Farm nur ein paar Kilometer entfernt, und wir sind sehr enge Freunde geworden, wofür ich unendlich dankbar bin. Und gemeinsam haben wir sehr gute Freunde im Ort gefunden, durch die wir noch viel mehr gesehen, erlebt und gelernt haben, als ich es eigentlich erwartet hatte.
Das hat den Abschied von Wellsford dann doch recht schwer gemacht. Seit Februar bin ich jetzt in meinem neuen „Placement“, im Glenelg Children's Health Camp in Christchurch auf der Südinsel. Die „Staff members“ sind sehr nett, das Camp liegt wunderschön am Stadtrand in den Hügeln, mit tollem Blick über die Stadt. Die Arbeit macht riesigen Spaß und ich fühle mich rundum wohl. Ich muss gerade mal fünf Stunden am Tag arbeiten, wodurch ich ab mittags frei habe. Im Gegensatz zu den Exchangees, die in anderen Camps untergebracht sind, bin ich nicht nur als zusätzliche Hilfe bei der Kinderbeaufsichtigung eingeteilt, sondern habe morgens meine eigene Gruppe, die ich aufwecke und für die Schule fertig mache. Das war am Anfang eine Herausforderung und nicht unbedingt ganz einfach, gerade weil es nicht die kleinen wohlerzogenen Kinder sind, die ins Camp kommen, sondern eher die, die immer auffallen und Probleme machen. Aber dadurch, dass ich hier Verantwortung bekomme, bin ich nicht nur die Freiwillige aus Deutschland, die versucht, mit neuseeländischen Kindern zu spielen. Vor allem werde ich von den Kindern als Mitarbeiterin anerkannt, was mir bei meiner Arbeit mit ihnen hilft.
Weil ich nur so wenig arbeiten muss, kann ich mich in meiner freien Zeit noch zusätzlich einsetzen und mit anderen Gruppen mitgehen oder andere Dinge erledigen, wenn mal Not am Mann ist. Da ich die Erlaubnis habe, Campautos zu fahren, werde ich zum Beispiel oft mit kranken Kindern zum Arzt geschickt. Außerdem freuen sich die Kinder immer, wenn sie erfahren, dass ich auf einem ihrer Ausflüge mitfahre. Sie glauben, das wäre was ganz Besonderes. Und so sehe ich natürlich auch selber noch was von der Umgebung.
Christchurch ist eine wunderschöne Stadt, mit alten englischen Gebäuden und unzähligen idyllischen Gärten und Parks in der Innenstadt; vollkommen flach und eben bis auf die Berge im Süden, Meer im Osten und Alpen am Horizont im Westen. Ich habe zwar wenige aber dafür umso bessere Freunde gefunden. Und der Gedanke, dass ich in knapp drei Monaten ins Flugzeug steigen und das alles verlassen muss, macht mir schon ein bisschen Angst. Die Zeit vergeht so schnell.