Programme
FSJ als ZivildienstersatzICJA ProgrammIntergenerationeller Freiwilligendienst
Kontakt
icja(at)icja.deTel 030-2123 8252
Links
www.icye.orgwww.icye.ch ICYE Schweiz bei Facebook
Soziale Netzwerke
Schweiz
Thore berichtet von seinem FSJ in der Schweiz (2008/2009)
Nun ist es schon über ein halbes Jahr her, dass ich vom Flachland an der Nordsee aufgebrochen bin um meinen Zivildienst als FSJ 14c mit dem ICJA in der Schweiz zu absolvieren. Hier bin ich mitten in den Bergen, nämlich im Wintersportort Davos, und damit in einer komplett gegensätzlichen Landschaft gelandet. Doch an die Berge und die dünne Luft hier oben hatte ich mich schnell gewöhnt. Mein Projekt hier ist eine Jugendherberge. Nicht nur irgendeine Jugendherberge, sondern ein „Youthpalace“. Das ist eine „4-Sterne-Jugendherberge“ im Wintersportgebiet Davos/Klosters. Hier kümmere ich mich um bis zu 235 Gäste aus der ganzen Welt. Meine Aufgaben sind durchaus sehr vielfältig. Im Winter liegt der Schwerpunkt eher in der Küche. Dies bedeutet sowohl viel, viel Gemüse und Obst zu schneiden, als auch Desserts zuzubereiten und andere küchentypische Aufgaben zu übernehmen. Am Abend folgt dann der Service, wobei man sich dann die Lorbeeren für die am Tag geleistete Arbeit abholt und viele Menschen trifft. Allerdings kommt so manches Mal ziemlich Stress auf, wenn alle der im Winter meist mehr als 200 Gäste pro Tag ihr Essen gleichzeitig haben wollen. Ebenfalls zum Aufgabenbereich gehört das Vorbereiten des Frühstücks. Dazu muss man dann allerdings deutlich vor sechs Uhr am Morgen aufstehen, was aber den Vorteil hat, dass man nachmittags frei hat.
Im Sommer war meine Hauptbeschäftigung der Frühstücksservice. Ab und zu half ich auch beim Housekeeping , an der Rezeption oder beim Shuttleservice, wenn Not am Mann war. Viel Zeit verbrachte ich im Sommer noch damit, für die Jugendherberge das „Steinbock-Label“ zu erringen. Dies bescheinigt einem Hotelbetrieb nachhaltiges Handeln in fast allen Wirtschaftsbereichen, besonders im Umweltmanagement, und stellte sich als Bürokratie-Monster heraus. Immerhin war das Abschneiden erfolgreich und wir erhielten vier von fünf möglichen Steinböcken. Im Herbst, während in Davos keine Touristen sind und man auf den großen Schneefall wartet, begleitete ich meinen Chef zur Betriebsmanager-Tagung im weltbekannten St.Moritz. Des Weiteren verbrachte ich drei Wochen in der Jugendherberge Locarno im Tessin, der Sonnenseite der Schweiz. Dort half ich bei Umbauarbeiten. Es war also handwerkliches Geschick gefragt, denn es mussten nicht nur komplette Zimmereinrichtungen demontiert werden, sondern auch sämtliche Fugen an Waschbecken und Duschwannen mit Gips oder Silikon erneuert werden.
Ich lebe ebenfalls in der Jugendherberge, da es ein Residential-Projekt ist und ich deshalb keine Gastfamilie habe. Das stört mich aber nicht sehr, denn fast alle der nahezu 20 Mitarbeiter wohnen ebenfalls in Personalzimmern, sodass wir unsere eigene kleine Familie gegründet haben. Alle sind sehr nett. So unternehmen wir auch viel zusammen, vom abendlichen Ausgang bis zum Nacht-Schlitteln und es wird außerdem manchmal gemeinsam gekocht. Hier leben allerdings nur zum geringsten Teil Einheimische, denn der größere Teil der Kollegen stammt aus Australien, Taiwan, Macao, Malaysia, Irland, England, Italien, Portugal, oder wie ich aus Deutschland. Somit kann man auch das Argument „ein Schweiz-Aufenthalt bringt doch sprachlich nichts“ widerlegen, denn es wird überwiegend Englisch gesprochen. Aber auch das Schweizer Deutsch kommt einem wie eine Fremdsprache vor. Der Dialekt ist doch sehr eigenwillig und es dauert für einen Norddeutschen recht lange bis man herausgefunden hat, wie es funktioniert. Bis dahin sind Missverständnisse und Lacher vorprogrammiert. Ebenso ist es mit den Bräuchen. Eigentlich denkt man, dass sie einem schon recht bekannt sein dürften. Allerdings unterschieden sie sich doch zum Teil recht deutlich von dem was mir bekannt war. Ein besonderes Beispiel ist der „Grittibänz“, ein Gebäck zum Samichlaus-Tag oder der „Dreikönigskuchen“ am 6. Januar. Es ist schon irgendwie komisch, wie Dinge anders sein können, wenn man über die Grenze fährt. Meine Freizeit verbringe ich hier oben natürlich meistens draußen im Schnee, denn es liegen davon etwa zwei Meter vor der Tür. Davos ist eines der größten Wintersportgebiete in der Schweiz. So kommt es oft vor, dass ich meine Nachmittage oder freien Tage auf den Bergen zubringe, entweder auf der Piste, oder aber im Liegestuhl in der Sonne. Skifahren oder Snowboarden ist aber nicht das einzige, was Davos zu bieten hat. Unter anderem habe ich mich schon im Langlauf, Schlittschuh laufen, Schlitteln oder Schneeschuhwandern, was besonders bei einem halben Meter Neuschnee sehr schön ist, versucht. Im Sommer habe ich ebenfalls viel Zeit in den Bergen verbracht. Dann aber eher mit dem Mountainbike. Entweder fuhr ich über die endlosen Passstraßen oder direkt im Gelände. Auch lange Wandertouren sind sehr populär. Die größeren Städte, wie Zürich oder Basel zu besuchen ist auch kein Problem, denn die Schweiz ist ein Land der kurzen Wege und Bahnfahren ist auch nicht sehr teuer, da ICYE jedem Exchangee ein Halbtaxabo zur Verfügung stellt. Sehr interessant ist auch das Tessin. Die Seen sind sehr hübsch und auch Mailand ist nicht sehr weit. Italien hab ich ebenfalls des öfteren schon besucht. Von Davos aus startet auch der berühmte „Glacier-Express“ und der „Bernina-Express“, dessen Strecke zum UNESCO-Welterbe zählt. Auch im Ort selbst wird viel geboten. Neben den Eishockeymatches des Schweizer Rekordmeisters findet hier auch alljährlich das World Economic Forum WEF statt. Dann gleicht die Stadt einem Gefängnis und es ist ein riesiges Spektakel, da die ganze Wirtschaftselite und sämtliche Staats- und Regierungschefs den Weg nach Davos suchen.
Das Schweizer ICYE-Komitee leistet hervorragende Arbeit. Die Betreuung ist perfekt. Es sind überwiegend junge Menschen, die Spaß an ihrer Arbeit haben. Dementsprechend werden nicht nur obligatorische Anlässe organisiert, sondern auch viele Ausflüge, um sich zu treffen. Besonders empfehlenswert ist das SkiCamp im Wallis zwischen Weihnachten und Neujahr. Dort treffen sich dann alle ICYE-Freunde und wer sonst noch Lust hat. Da dort in diesem Jahr die Nationen von Australien bis Costa Rica vertreten waren, dauerte die Silvesterfeier auch gut und gerne 21 Stunden. Ein bisschen schade finde ich, dass auf Seminaren - abseits des Programms - auch von Seiten der TeamerInnen sehr viel Spanisch gesprochen wird, da viele lateinamerikanische Exchangees hier sind. Das macht es nicht gerade einfacher, Kontakte zu knüpfen.
Im Großen und Ganzen war die erste Zeit in der Schweiz perfekt. Sowohl vom ICYE-Komitee als auch von meiner Kontaktperson beim Jugendherbergsverband wurde ich super betreut, sodass das Einleben nicht sehr schwer fiel. Auch die Arbeit im Projekt macht sehr viel Spaß. Deshalb werde ich nach der Wintersaison wahrscheinlich auch noch in eine andere Jugendherberge weiter westlich wechseln.
Das Austauschjahr in der Schweiz hat sich bis jetzt für mich auf jeden Fall gelohnt.
