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Matthias leistete seinen Freiwilligendienst als Ersatz für den Zivildienst in Spanien

Am 2. August 2005 war es soweit, meine Reise vom Kölner Flughafen nach Bilbao startete. Sara meine Kontaktperson der Organisation hier in Spanien, holte mich direkt vom Flughafen ab und brachte mich zu meinem ersten „Camp“. Da ich durch ein Missverständnis der Organisationen in Deutschland und in Spanien ca. einen Monat zu „früh“ angekommen bin, konnte ich nicht direkt in mein offizielles Projekt einsteigen und es wurde für mich ein Programm für diesen Monat erstellt. Zuerst lebte ich für zwei Wochen mit vier Spaniern zusammen in einer WG. Sie alle waren wie ich Freiwillige. Mit ihnen betreute ich eine Gruppe aus dem Sozialbrennpunkt Ortxakuarga im Baskenland. Normalerweise werden die zum Teil Ex- Alkoholiker, Ex- Drogenabhängigen und leicht Behinderten auf das Berufsleben vorbereitet, aber in diesen zwei Wochen hatten sie Urlaub. Unsere Aufgabe bestand darin, vormittags mit ihnen Karten- und Brettspiele zu spielen und nachmittags Ausflüge rund um und in Bilbao zu unternehmen.
Man kann sagen, ich hatte riesiges Glück. Die Gruppe an sich und ganz besonders die anderen Freiwilligen waren sehr nett zu mir und gingen sehr verständnisvoll mit mir um. Sie machten mir den schweren Einstieg sehr leicht.
Natürlich muss noch gesagt werden, dass diese ersten Wochen auch körperlich sehr anstrengend waren. Nicht im Sinne der Arbeit, sondern da absolut keine Spanischkenntnisse bei mir vorlagen, nahm mich das „gar nichts Verstehen“ den ganzen Tag über doch sehr mit. Ich war oft sehr müde und habe überdurchschnittlich viel geschlafen.
Die nächsten zwei Wochen wohnte ich auf einer Schulfarm in Guernika, da dort zu dieser Zeit eine russische Freiwillige war. Die Farm machte auch Ferien, darum half ich ihr bei ihren Aufgaben im Stall und auf dem Hof.
Die letzten Tage bevor ich nach Zestona, ein 2000 Seelen Dorf, in mein Projekt kam, übernachtete ich in einer Jugendherberge in Bilbao.
Seitdem lebe ich nun in der Schulfarm „Sastarrain“. Sie ist sowohl ein Schullandheim als auch eine Jugendherberge. Überwiegend kommen Schulklassen aus dem Umfeld von San Sebastian und Bilbao hierher. Die Grundidee der unterschiedlichen Unternehmungen mit den Kindern ist es, sie den Tieren und der Natur näher zu bringen.
Im Laufe der Zeit wurde mir klar, dass ich eigentlich nicht in Spanien gelandet bin, sondern im Baskenland. Alles hier in dieser Schulfarm wird in Baskisch gemacht. Das liegt mit daran, dass Guipuzkoa mit die traditionellste und konservativste Provinz im Baskenland ist. Im Raum in und um Bilbao hingegen wird überwiegend Spanisch gesprochen und die Kinder lernen erst später Baskisch in der Schule. Hier ist es gerade umgekehrt. Ich bin hier Kindern begegnet, die wirklich nicht sehr viel besser Spanisch sprachen als ich.
Nun zu meinen Aufgaben. In der Projektbeschreibung, die ich vor meiner Abreise erhielt, war der Schwerpunkt auf die Arbeit mit den Kindern gelegt. Die Wirklichkeit aber sieht so aus, dass mir auf Grund meiner fehlenden Baskischkenntnisse gesagt wurde, dass die Arbeit mit den Kindern unmöglich wäre und ich deshalb eher mit den Tieren arbeiten solle. Wäre es nicht so gewesen, dass ich auf ein soziales Jahr und nicht auf ein ökologisches eingestellt war, hätte das auch kein Problem dargestellt. Aber nach einiger Zeit der Eingewöhnung in die Arbeit mit den Tieren, haben sich trotzdem Möglichkeiten ergeben, wie zum Beispiel in meiner Freizeit mit den Kindern zu sein. Schließlich sprechen sie ja alle Spanisch, deshalb suche ich direkt das Gespräch mit ihnen und stelle immer wieder fest, dass die Mehrheit der Kinder lieber Spanisch spricht.

Mein Aufgabenfeld besteht darin, mich um drei Pferde, zwei Ponys, einen Esel, vier Kühe, acht Schafe, eine Menge Hühner und drei Gänse zu kümmern. Das heißt, morgens füttern, später den Stall bzw. die Pferdeboxen reinigen usw. Nach dem Mittagessen besorge ich dann meistens die Materialien für die unterschiedlichen Unternehmungen mit den Kindern.
Soviel erst mal zu meinem ersten halben Jahr hier in Zestona im wunderschönen Baskenland.
Mit lieben Grüßen,
Matthias

