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Ibrahim im Projekt Leka Gape in Lulekani, Südafrika
Die letzten Monate war ich damit beschäftigt, meine Homework-Gruppe in Mathe und Englisch zu unterrichten. Nebenbei leiteten Pierre, Volker und ich das Sportprogramm. Das waren in der letzten Zeit meine beiden Hauptaufgaben. Die Kinder waren sehr gut in der Schule, und auch im Shelter (Heim) konnte man Fortschritte erkennen. Die Kinder sind 6 bis 7 Jahre alt und besuchen die dritte Klasse. Anfangs fiel es mir schwer, mit ihnen zu kommunizieren. Doch von Tag zu Tag verbesserten sich meine Shangaan-Kenntnisse, was dabei half, das Vertrauen der Kinder zu gewinnen.
Ein großes Problem war, dass die Kinder, obwohl sie alle die dritte Klasse besuchten, sich auf unterschiedlichen Lernniveaus befanden. Wir erhielten dann bei unserer Arbeit noch Unterstützung von Juliane, einer weiteren Freiwilligen, mit der wir die Homework-Gruppe gemeinsam betreuten. Mit ihr klappte dann alles noch besser, wir konnten mehr Einzelunterricht anbieten. Das brachte den Kindern sehr viel, da wir so auf jedes Problem eingehen konnten. Ein Mädchen, das Einzelunterricht erhielt, verbesserte sich schlagartig. Die Fortschritte die sie gemacht hat, waren bei keinem anderen Kind in der Gruppe erkennbar. Das sind die Dinge, die mich wirklich glücklich gemacht und immer wieder von Neuem motiviert haben. Ich denke auch, dass die Kinder sich zurückerinnern werden, so wie sich bei uns auch jeder seine Grundschullehrer im Gedächtnis behält.
Das Sportprogramm war ein neues Projekt, welches von Volker, Pierre und mir ins Leben gerufen wurde. Es gab einige Anlaufschwierigkeiten, aber wir machten mit jedem Tag Fortschritte. Um die üblichen Kommunikationsprobleme zu überwinden, suchten wir hier die Hilfe eines Einheimischen. Given, 16 Jahre alt, hatte bereits Erfahrungen mit der Arbeit als Trainer und die Kinder mochten ihn auch sehr. Sie nannten ihn „Mister Coach“. Für uns Freiwillige war er Teil eines Happy Ends, da wir schließlich darauf hin gearbeitet haben, dass das Sportprogramm von Einheimischen und Freiwilligen gemeinsam geleitet wird. Gegen Ende meines Dienstes waren es sogar täglich etwa 50 Kinder, die an unserem Programm teilnahmen.
Aufgrund des Fernsehteams, das mich wirklich sehr in Anspruch genommen hat, hatte ich leider nicht die Möglichkeit, mich anständig von meinen Freunden und Bekannten zu verabschieden. Vielleicht ist es aber auch ganz gut gewesen, dass der Abschied so kurz und schmerzlos verlaufen ist, da ich eher sentimental bin und mir diese Verabschiedungen eigentlich keine Freude bereiten. Vor meiner Abreise allerdings haben Volker, Pierre und ich noch eine Party im Shelter organisiert. Es gab Musik und Süßigkeiten. So sind wir dort zumindest noch einmal zusammengekommen.

Ich habe mich absolut in das Land Südafrika verliebt. Die Kulturen, die Landschaft, einfach alles ist atemberaubend. Natürlich gibt es auch ein paar Schattenseiten, doch im Großen und Ganzen ist es einfach nur fantastisch.
So, zum Schluss möchte ich einfach noch mal allen Menschen danken, die mir das Jahr ermöglicht haben: meiner Familie, den Freiwilligen aus dem Basambilu, dem ICJA-Team und all den Familien in meinem Spenderkreis. Für mich war es das schönste Jahr meines Lebens und ich würde es jederzeit wieder machen.Studieren werde ich jetzt in Maastricht, Südafrika hat mir die Augen geöffnet und mir gezeigt, wie schön es im Ausland sein kann.
Mechthild war als Teilnehmerin des Internationalen Freiwilligendienst für unterschiedliche Lebensphasen (IFL) in Südafrika (2006-2007)

Ich habe mich hier in Cape Town, Südafrika von Anfang an sehr wohl gefühlt und es wird mir schwerfallen, hier fortzugehen. Das bezieht sich gleichermaßen auf meine Gastfamilie, die Arbeit, und natürlich ganz besonders die wunderschöne Umgebung hier in Kapstadt.
Die Wohnsituation:
Ich wurde sehr freundlich aufgenommen und war überwältigt von der Hilfsbereitschaft, die mir besonders am Anfang zuteil wurde. Mittlerweile hat sich das Familienleben durch den Tod der Großmutter etwas verändert, und ich bin natürlich flügge geworden.
Und da ich immer die Nachbarn grüße, worüber sie sich freuen, werfen sie wohl auch ein achtsames Auge auf uns Volunteers. An den (wirklich lauten) Gesang des Muezzins gegenüber und die ebenso lauten Proben der Blaskapelle oder das Hundegebell habe ich mich schnell gewöhnt und sie stören mich gar nicht mehr. Im Gegenteil, ich finde es schön, dass Leben in der Straße ist. Dennoch sind Spaziergänge natürlich Tabu und ich vermisse die Freiheit, abends oder wann immer, mal einfach aus dem Haus zu gehen und durch die Nachbarschaft zu schlendern. Aber so ist es eben, und ich habe durch das Leben in Manenberg eine coloured Familie kennen gelernt und einen Teil von Südafrika gesehen, den Touristen z.B. überhaupt nicht mitbekommen.
Die Arbeit:
Ich arbeite an drei Stellen:
Montags und dienstags helfe ich Birgit im Headoffice von CMHS bei der Gründung von SAGE Net, einem südafrikanisch-deutschen Netzwerk zum Austausch für benachteiligte Jugendliche und Fachpersonal.
Mittwochs und donnerstags arbeite ich im Fountainhouse, einer Tageseinrichtung für Menschen mit psychischen Einschränkungen, denen dort beim Wiedereinstieg in ein selbständiges Leben nach Krankenhausaufenthalt geholfen wird. Dort unterstütze ich das Fundraising-Team. Das sieht im Moment so aus, dass ich versuche, GolfspielerInnen für einen Charity Golf Day zu werben: viel Telefonieren, Faxen und Mailen, und nicht immer erfolgreich. Aber ich wollte das gerne ausprobieren, und die Angst vor Telefonaten auf Englisch habe ich dabei wirklich verloren.
Freitags gehe ich dann nach Ethembeni in die Tagesstätte für Kinder mit physischen und geistigen Behinderungen.
Ich habe privates Fundraising in Deutschland gestartet und mit dem Geld die Räumlichkeiten renoviert und Spielzeug gekauft. Der Rest des Geldes wird für die Ausbildung der Pflegerinnen verwendet, weil mir irgendwann klar geworden ist, dass das eigentlich das Wichtigste ist.
Umgebung:
Als ich hier ankam, dachte ich: "Dass soll die schönste Stadt der Welt sein?" Ich kannte nur den ewigen Stau zur Arbeit und zurück. Mittlerweile bin ich aber in einen Hiking-Club eingetreten und natürlich auch selbst mehr rumgekommen und ich muss sagen, Cape Town ist wirklich etwas Besonderes. Die Stadt ist so phänomenal schön gelegen, das mir oft das Herz aufgeht. Ich lerne Menschen kennen und sehe so schöne Stellen und Gegenden, die selbst viel Cape Townians nicht kennen. Oft komme ich von den Hikes ganz beseelt nach Hause.

Kontakte zu schließen finde ich nicht so einfach. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit und zeigen auch keine Probleme mit Altersunterschieden. Aber natürlich bin ich auch hier ein verrücktes Huhn. 46, nicht verheiratet, umsonst arbeitend, alleine durch die Welt ziehend, dass stößt auch hier an Verständnisgrenzen, die zwar in keiner Weise den Umgang, aber doch den Aufbau wirklicher Freundschaften schwer machen.
Und das wird natürlich nicht einfacher, wenn beide Seiten wissen, dass der Aufenthalt begrenzt ist. Aber ich erlebe das nicht als südafrikaspezifisch, das ist überall sonst und in Deutschland auch nicht anders. Ach ja, was hier doch noch dazu kommt, ist der Unterschied zwischen schwarz, coloured und weiss. Ich denke, wer sich nicht im Klaren darüber ist, dass die Apartheid zwar auf dem Papier, aber in den Köpfen aller Gruppen längst noch nicht aufgehoben ist, wird enttäuscht sein.

