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Christian leistete einen Freiwilligendienst als Ersatz für den Zivildienst in den USA

Das ist meine Baustelle
Weihnachten steht vor der Tür und die Hälfte meines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten ist fast vorüber. Mein Resümee für die erste Hälfte ist überwiegend positiv. Ich bin sehr froh, dass ich nach Athens gekommen bin. Man kann sie zu Recht als Partystadt bezeichnen. Zu verdanken hat sie das der örtlichen Universität, der UGA. Die Studenten, die ca. 30 % der 100.000 einwohnerstarken Stadt ausmachen, prägen das Flair von Athens. So trifft man an Wochenenden in den zahlreichen Bars in Downtown, neben den Cops (Polizisten), fast ausschließlich junge Menschen. Für unsere Verhältnisse sind die Gesetze bezüglich des Alkohols sehr streng. Erst mit 21 wird es einem gestattet, Bier, Wein und harte Alkoholika zu konsumieren. Trinken in der Öffentlichkeit ist strengstens verboten. Wer dagegen verstößt, muss mit harten Geldstrafen und Sozialarbeitsdienst rechnen.
Athens ist dreigeteilt. Im Stadtzentrum befindet sich Downtown mit vielen kleinen Bars, in denen sich das Nachtleben der Stadt abspielt. Einen weiteren großen Teil der Stadt nimmt die UGA in Anspruch. Drumherum findet man Geschäfte, Wohngegenden und jede Menge Fastfood-Restaurants. Umkreist wird die Stadt von dem „Loop“, einem Highway, vergleichbar mit dem Berliner Ring, nur nicht so groß. Die Entfernungen sind deutlich größer als wir sie aus unserer Heimat gewohnt sind.
Ich wohne auf der Ostseite und muss jeden Tag 12 km bis zur Baustelle von Habitat auf die Westseite fahren. Anfangs wurde ich morgens abgeholt. Um unabhängiger zu sein, habe ich mir einen Miniskooter gekauft, den ich, nebenbei gesagt, gern an zukünftige Zivis verkaufen würde. Ob mit Auto oder Skooter; man muss 25 –30 Minuten Fahrzeit für den Hin – bzw. Rückweg einplanen.
Die Arbeit beginnt um 9:00 Uhr im Office. Unser Construction Manager Beau muss dort einige Telefonate bzw. Papierkram erledigen. Derweil unterhalte ich mich mit dem Team, das aus Spencer (Executive Director), Lee (Sekretärin), Jake (Volunteer Coordinator) und Lindsey (Ebay – Angelegenheiten) besteht, oder erledige Arbeiten, die gerade anstehen – meistens räume ich auf. Büro- bzw. Schreibtischarbeiten werden von uns nicht verlangt. Auf der Jobsite arbeiten wir dann bis ca. 16 Uhr. Es ist selten, dass unter der Woche Freiwillige zum arbeiten kommen, meistens sind wir mit Beau allein.

Hier steht Spencer in einem fast fertigen Haus
Aus meiner Sicht entspricht ein Habitat-Haus keinesfalls europäischen Standards, ist aber ein richtiges Haus mit 3- 4 Schlafzimmern, einem Wohnzimmer, Bad und Küche. Von innen ist praktisch nicht zu erkennen, das es ein Haus ist, da es von Laien gebaut wurde. Bis auf die Fundament- , Abwasser- und Elektronikarbeiten machen wir alles allein. Weder wir, noch Beau sind dafür ausgebildet und gehen nach dem Prinzip „learning by doing“ vor. Habitat-Häuser sind nicht kostenlos, sondern billiger, da nur für das Material bezahlt werden muss. Ein Habitat-Haus kostet derzeit 62.000 US Dollar. Hausbesitzer bekommen außerdem einen Kredit zu sehr guten Konditionen, den sie über 25 Jahre abbezahlen können. Gearbeitet wird immer von Dienstag bis Samstag, wobei wir am Samstag 15 bis 25 Freiwillige (überwiegend Studenten) betreuen und anleiten müssen.

Die Arbeit auf der Baustelle ähnelt der auf deutschen Baustellen sehr. Deshalb sind nicht vorhandene Höhenangst und handwerkliche Fähigkeiten von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich. Die Regelbauzeit für ein Haus ist 4 Monate. Durch unsere Hilfe kann sich die Bauzeit bis auf 3 Monate oder weniger verkürzen, wenn die Arbeit nicht durch Unvorhergesehenes, wie zum Beispiel Regen unterbrochen wird.
Ansonsten treibe ich in meiner Freizeit viel Sport. Die Möglichkeiten sind durch die Universität hervorragend.

