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Catharina in Uganda (2006-2007)

Das sind meine Rotzbengel aus der zweiten Klasse
Ihr Lieben,
ein kurzer Gruß aus Kampala. Ich möchte euch beschreiben, was um mich geschieht, wenn ich nur 5 Minuten die Kampala Road lang laufe, von der Post, zum Internet Cafe. Vorbei an ugandischen „Business men“ und durchgeschwitzten und Safarihüte tragende Muzungu-Reisende, eile ich die Stufen des Post hinunter, auf denen mich eine traditionell gekleidete Mama bittet, ihr einen Stift abzukaufen. Mein Blick fällt auf ihre Kalenderauswahl für 2007, Bilder von Saddams "rise and fall", "sad and happy moments" schmücken ein riesengroßes Kalender-Plakat, bestimmt fürs ugandische Wohnzimmer. Kopfschüttelnd lache ich sie an und entschuldige mich mit „Sirina sente!“ - kein Geld. Ich weiß nicht, warum Diktatoren hier so verehrt werden, im Supermarkt kann man Postkarten von Idi Amin in Uniform kaufen. Auf dem Große-Herrscher-Kalender kann man sogar den alten Hitler entdecken.
Weiter geht’s, Rucksack unter die Schulter geklemmt, versuche ich verzweifelt die Straße (rush-hour) zu überqueren. Bevor ich losrenne, schreien mir 15 conductor (Taxibus-Begleiter, Geldeinsammler, Zielschreier) nakava und bugolobi und jinja rood ins Ohr – ja doch, ich will rüber! Auf dem Mittelstreifen heil angekommen, krabbelt mir ein verkrüppelter Mann entgegen, auf Händen und Knien, Füße kann ich keine entdecken, doch die Hände mit Flip Flops geschützt. Die Ampel ist rot, jetzt muss ich’s nur noch vor den Abbiegern schaffen. Ampeln gibt’s jetzt neuerdings in Kampala, zumindest an den Kreuzungen die die Queen zu Gesicht bekommen wird, wenn sie denn dieses Jahr tatsächlich eine Stippvisite abhält. Dafür wird ihre Tourstrecke prächtig aufpoliert, während andere Straßen im Staub versinken und im Regen zum reißenden Strom werden. Ich biege in die Entebbe Road ab und schon ergießt sich vor mir der Blick auf ein paar der 7 Hügel Kampalas, die goldene Kuppel der Moschee glänzt in der Nachmittagssonne und der Sikh Tempel strahlt in seinem beige-gelb. Über allem liegt ein brauner Schleier aus Staub, Abgasen und Rauch der Müll verbrennung.
Bevor ich das Internet Cafe mit Klimaanlage betrete, kaufe ich mir noch ein Bündel Bananen von einer auffallend großen Frau mit vielen Ketten und ganz vielen kleinen Narben auf der Stirn, welche als stammesorientierter Körperschmuck der Menschen aus dem Norden definiert werden können. Sie spricht weder Englisch noch Luganda, ist ein Flüchtling aus dem Norden. Ich frage mich, wie sie den Überlebenskampf hier besteht. Sende einen lieben Gruß aus diesem mir inzwischen so lieb gewordenen Kampala.
Abschließend noch zwei Eindrücke aus meinem Arbeitsleben:

Hier spielen wir "Blinde Kuh"

Eine Schwester und zwei Pflegemütter aus dem Projekt mit Kindern
