Erfahrungsberichte von Freiwilligen

Wie ist es wohl, ein Jahr in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten? Welchen Herausforderungen muss man sich stellen und wie gehen andere damit um? Verändert man sich während diesen Jahres?

Diese und viele andere Fragen stellst du dir vielleicht, wenn du an einen Freiwilligendienst im Ausland denkst. Jeder Einsatz ist einzigartig. Wenn du jedoch neugierig bist, was andere so erlebt haben, findest du hier eine Auswahl von Erfahrungsberichten von Freiwilligen, die in verschiedenen Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und des politischen Nordens ihren Freiwilligendienst gemacht haben.

  • Nils in Indien

    Nils in Indien

    Jetzt, wo ich wieder in Deutschland bin, wird mir klar wie sehr ich mich an die Lebensweise in Indien gewöhnt habe und wie schwer es ist, dass ganze Jahr Revue passieren zu lassen und verarbeiten zu können.

    Ich glaube, dass diese Erfahrung, welche ich dort gemacht habe, eine der wichtigsten in meinem ganzen Leben seien wird. Ich habe zu schätzen gelernt! Den Momenten eine Bedeutung gegeben und meinen inneren Frieden gefunden. Ich renne jetzt nicht mehr von Moment zu Moment und versuche den vorherigen zu überbieten. Es ist als wäre ich ein neuer Mensch.

    In einem ganzen Jahr passieren viele Dinge im Projekt, manche sind leider nicht so schön, doch genau aus einem dieser habe ich eine wichtige Erfahrung gezogen. Zwar war ich nur indirekt an der Situation beteiligt, doch Sie hat mir gezeigt, wie wichtig Vertrauen seien ist. Wir wurden darauf vorbereitet, dass die Personen im Ausland die Situationen anders händeln, als wir es aus unser europäischen Erfahrung für Richtig erachten. So gab es eine Situation im Projekt, wo zwei Jungen in eine Wurzel gebissen haben und sich danach stundenlang übergeben mussten. Unsere Hausmeisterin (Suman) im Projekt hat den beiden Jungen, dann ein Glas Salzwasser und drei große Jungen als Aufpasser zur Seite gestellt. Sie selbst ist zu den anderen 60 Kindern gegangen um diese zu unterhalten, damit keine Panik ausbricht. Diese Situation hat eine Mitfreiwillige aus unserem Projekt als Falsch aufgefasst, da Sie der Meinung war, dass die Kinder ärztliche Hilfe benötigen. Im Nachhinein hat es sich aufgeklärt, dass die Wurzel nicht giftig ist und Suman dies wusste, da ein vergleichbarer Vorfall in der Vergangenheit stattgefunden hat. Auch wenn die Menschen in dem Gastland anders handeln als wir es aus unserer Wertvorstellung und Erfahrung tun würden, ist es nicht falsch und fahrlässig. Mir hat es gezeigt, dass unsere Bewertungsmaßstäbe nicht ausreichen diese kritischen Situationen vollumfänglich zu bewerten. Die Einheimischen blicken auf eine viel größere Erfahrung im Zusammenleben mit diesen Kindern zurück, als wir je in einem Jahr machen könnten. Diese Situation hat mich dazu bewegt den Menschen in meiner Umgebung mehr zu zeigen, dass ich Ihnen vertraue. Denn auch die Lehrer in unserem Projekt haben uns Ihr Vertrauen gezeigt, indem Sie die Freiwilligen zu jedem Teachersmeeting eingeladen haben und sich angehört haben, was wir zu erzählen haben. Dies steigert sehr den Wert des Freiwilligen, denn dieser fühlt sich als wichtiger Bestandteil des Teams und des Projektes. Mir persönlich hat es sehr viel Spaß gemacht, sich mit den Lehrern auszutauschen, da Sie dir öfter auch ein Feedback zu deiner Arbeit gegeben haben. Doch auch die Kommunikation mit den Mitfreiwilligen hat sehr gut geklappt. So habe ich die Fußballmannschaft, welche von dem Freiwilligen vor mir aufgebaut wurde weitergeführt und habe gelegentlich Fußballspiele gegen andere Schulen organisiert. Worauf ich besonders stolz bin ist, dass ich die Mädchen in unserem Projekt für Fußball begeistern konnte und ein Team aufbaute, welches fast ebenbürtig den Jungs gegenüber stand. Leider habe ich es zeitlich nicht mehr geschafft dem Mädchenteam ein Spiel gegen eine andere Schule zu ermöglichen, doch habe ich dies mit dem nächsten Freiwilligen schon besprochen, welcher mir versprochen hat sich gerne darum zu kümmern.


    Zudem habe ich mich mit den Lehrern über einen First-Aid-Plan ausgetauscht und eine medizinische Erstversorgung bei Unfällen organisiert. Die Wohnsituation war am Anfang des Jahres ein wenig kompliziert, da das Projekt nicht auf die Zahl der Freiwilligen vorbereitet war. So habe ich mit einem anderen Freiwilligen die ersten 2 Monate in dem Science-Lab der Schule geschlafen, welches wir leider nicht abschließen konnten. Die Kinder haben sich meistens an die Absprache gehalten, dass dieser Raum für sie jederzeit Tabu ist. Gleichzeitig wurde schnellstens an einer anderen Unterbringung gearbeitet. Nach zwei Monaten sind in unserem Projekt die neuen Schlafsäle in den Containern frei geworden und wir konnten mit den Kindern unsere eigenen Zimmer beziehen. Jeder Volunteer hatte ein abgetrenntes Zimmer zu dem Schlafsaal der Kinder, sodass man sich jederzeit auch mal zurückziehen konnte. Dennoch haben wir die meiste Zeit in der Woche mit den Kindern verbracht und auch am Wochenende, wo die Kinder nach Hause gegangen sind, haben die Volunteers, George und Suman (+Nithin/Sohn) in der Küche zusammengesessen und sich unterhalten. Ich hatte zwar nie großen Kontakt zu Personen außerhalb unseres Projektes, doch zu den wenigen habe ich einen guten Kontakt gepflegt.

    Ich habe viel Unterstützung von jeder Möglichen Seite erhalten, gerade zu der Zeit (Unfall) als ich Sie gebraucht habe. Ich habe nicht erwartet, dass sich das Auslandsjahr so hilfreich für mein weiteres Leben erweist und auch nicht dass ich mich so verändern würde. Ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Schritt in ein fremdes Land gemacht habe. Abschließend würde ich sagen, war das Auslandsjahr für mich eine großartige Erfahrung. Man lernt so viele unterschiedliche Menschen kennen. Alle kommen wo anders her, sprechen andere Sprachen, kommen aus anderen Kulturen und doch hat man mit allen etwas gemeinsam. Man ist zusammen in Indien, teilt die gleichen Probleme und Erfolgserlebnisse. Ich hoffe sehr, dass viele Freundschaften die ich hier geknüpft habe noch lange halten werden. Ich habe im Internet einen Satz gefunden, welchen ich sehr gut finde, denn er spiegelt, das wieder was ich hier beschreibe. „ Es ist nicht ein Jahr in einem Leben, es ist ein Leben in einem Jahr“!

    Danke.

    Indien, 2014/15

  • Hanne in Ghana

    Hanne in Ghana

    Meine Zeit in Ghana rennt dem Ende entgegen und damit ein wichtiger Abschnitt meines Lebens. Was genau das aber bedeutet, was „meine Zeit in Ghana“ überhaupt war und für fünf verbleibende Tage noch ist, ist mir noch nicht wirklich bewusst und das bewusste lässt sich nur  schwer in Worte fassen, bin ich doch mitten im Leben, im neuen entdecken, lernen, ausprobieren, genießen. Bin ich das natürlich nicht nur in Ghana, sondern in Deutschland ganz genauso und hoffentlich mein ganzes Leben lang.

    Je länger ich in Ghana war, desto intensiver wurde es für mich, desto mehr habe ich kennengelernt, verstanden, miterlebt und mich selbst eingebracht.
    In meinem Projekt, der Sygma Child School, hatte ich sehr viele Möglichkeiten, mich einzubringen. Der Besitzer der Schule, mein Ansprechpartner, von allen allgemein „Grandpa“ genannt, war immer offen für Idee.
    Zu Beginn habe ich hauptsächlich die Projekte der Vorfreiwilligen übernommen, von denen zwei noch ein halbes Jahr mit mir zusammen da waren. Das hieß Phonics Unterricht in den unteren Klassen, Projektunterricht in den oberen Klassenstufen und Examen tippen. Besonders der Phonics Unterricht lag mir eigentlich nicht, aber gerade durch ihn habe ich selbst viel mehr Gespür für die Aussprache und Rechtschreibung der englischen Sprache bekommen und mich im Zeichnen geübt.
    Ich wurde mit der Zeit immer sicherer mit der englischen Sprache und es hat das Unterrichten  erleichtert nach und nach gewisse Schlagwörter und Redewendungen der anderen Lehrer_innen und des allgemeinen Sprachgebrauchs, so wie passende Vergleiche und Beispiele zu kennen und zu übernehmen. Auch sind meine Ansprüche an eine ganz ruhige Klasse gesunken und gleichzeitig wurde ich selbst ruhiger und weniger gestresst. Obwohl ich immer besser spontan reagieren und mich auf die Stimmung der Klasse einlassen konnte hätte ich mir von mir selbst gewünscht sich ergebende Situationen, wie z.B. eine Klasse bei der ein_e Lehrer_in aus Krankheitsgründen o.ä. abwesend ist, besser bzw. überhaupt nutzen zu können.
    Viel Freude hat mir mein eigenes Projekt, eine mobile Bücherei, bereitet. Es gab bereits einige Kinderbücher und ich hab noch zusätzliche gekauft, die ich dann immer zur ersten Pause, nach Schulschluss und ganz vereinzelt auch in Unterrichtsstunden rausgebracht habe und wo alle Schüler_innen von der 1.Klasse bis zur Junior high School 3 lesen konnten.   

    Insgesamt hat es vor allem geholfen sich mit den Lehrer_innen zu verständigen, zusammenzuarbeiten. Die meisten Ideen z.B. das Bereitstellen einer suggestion box, Aufklärungsunterricht, ein story writing club, eine Brieffreundschaft mit einer Schule in Deutschland und die Teilnahme an einer essay writing competition in Ghana hätte ich niemals alleine umsetzen können. Viele der Ideen kamen auch erst im Gespräch mit Lehrer_innen.

    Aus manchen gemeinsamen Aktionen sind gegen Ende enge Freundschaften entstanden. Leider zum Großteil wirklich erst in den letzten zwei Monaten, weil meine Scheu Lehrer_innen auch zuhause zu besuchen anfangs sehr groß war und die Meisten ihr Geld nicht fürs Ausgehen verwenden und nicht genug verdienen, um in dem Stil zu reisen und unterwegs zu sein, in dem ich es war. Somit waren gemeinsame Unternehmungen selten.

    Es fiel mir lange schwer zu verstehen, was Freundschaft für viele hier bedeutet. Nicht unbedingt, dass einen wildfremde Menschen, die gerade zufälligerweise neben einem sitzen oder an einem vorbeilaufen sofort als Freund bezeichnen und Telefonnummern austauschen wollen, sondern vor allem, wie Freunde sich untereinander nach Geld und Sachgegenständen fragen. Eigentlich finde ich den Gedanken, dass man etwas gibt, wenn man was hat sehr schön. Und das kann dann auch die Krankenhausrechnung der Tochter eines Freundes, das Handy der  Freundin oder natürlich Essen für jeden, der gerade vorbeikommt, sein. Sich gegenseitig zu unterstützen macht auch viel Sinn und ist an vielen Stellen nötig, da z.B. die Krankenversicherung nur bestimmte Krankheiten und Medikamente abdeckt, es kein Arbeitslosengeld gibt etc. Trotzdem bleibt es mir durch meine kulturelle Prägung unangenehm und wirkt fast unverschämt, wenn ganz offen unter Freunden, Familie und Bekannten nach Geld oder Geschenken gefordert wird und man zum Geben gewissermaßen verpflichtet ist.
    Gleichzeitig fand ich es immer wieder super schön und faszinierend wie sehr man sich auch in anderen Dingen unterstützt, dass wenn der eine z.B. gerade kurz irgendwo hin weg muss auch mal schnell der beste Freund die Wäsche weiterwaschen kann und wenn der weg muss übernimmt eben der Bruder.           

    Ebenfalls zum Großteil entgangen ist mir leider die Sprache. Ich habe nur sehr, sehr wenig Twi gelernt. Das lag einerseits daran, dass es im Schulalltag verboten war Twi zu sprechen und andererseits daran, dass ich auch alles problemlos auf Englisch erledigen konnte.

    Zum Integrieren hat es sehr geholfen, dass Madam Belinda, eine Lehrerin,  zusammen mit den fünf Schüler_innen der junior high school 3 im Februar bei mir eingezogen ist. Wir haben öfter zusammen gekocht, Fernsehen geguckt, getanzt und einfach Zeit verbracht. (Da ich sonst immer für mich selber gekocht habe fiel das meistens recht deutsch aus.) Zusammen mit Leticia, einem siebenjährigem Mädchen, dass auch auf dem Schulgelände lebt, haben sie mir viel über die ghanaische Kultur, Geschichte und Spiele beigebracht. Als die Schüler_innen im Juni nach ihren Abschlussprüfungen wieder ausgezogen sind musste ich mich erst wieder an die Stille gewöhnen und sie fehlen mir immer noch, auch wenn sie von Zeit zu Zeit zu Besuch kommen.

    In den großen Städten wie Accra und Kumasi scheint es eine Vielzahl an Aktivitäten, Wettbewerben, Programmen etc. in ganz verschiedenen Bereichen für Schüler_innen zu geben, in Nsawam gibt es bisher aber leider kaum Außenstellen dieser Gruppen oder Möglichkeiten zur Beteiligung. Das tut mir sehr leid für die Schüler_innen, denn wir haben sehr viele sehr talentierte Schüler_innen bei uns an der Sygma. Leider haben wir noch keine Möglichkeit zur weiteren Talentförderung gefunden, die über die Schulaufführungen am Ende jedes Terms und einen Ausstellungsraum für Kunstprojekte und Geschichten bei diesen, hinausgehen. Ein Problem dabei stellt auch der Mangel an Computern in der Schule selbst und oft nicht gut funktionierende Internetverbindungen dar. So haben wir Tage gebraucht um die Essays für einen Schreibwettbewerb zum Thema Sanitation abzutippen und per Mail einzusenden.     

    Jetzt wartet die nächste Herausforderung auf mich. Wieder in Deutschland anzukommen. Es wird sicher nicht einfach, sitze ich doch jetzt gerade im Flugzeug und habe eigentlich in meinem Kopf den Plan dafür, was ich morgen während der Ferienkurse mit den Klassen machen will, sehe ich doch die Bücherkiste vor mir stehen mit all diesen Büchern, die noch mal und noch mal gelesen werden wollen. Aber ich kann nicht mehr sagen hey, die Pause ist vorbei, du kannst es morgen fertig lesen. Morgen sieht anders aus. Wie, das wird sich herausstellen. Sicher ist, dass ein großes Stück Ghana Teil davon sein wird.    

    Dafür bin ich viel selbstsicherer und selbstständiger geworden und habe gelernt mehr auf mich, auf das, was ich will, zu hören und es umzusetzen, das Leben zu genießen und unabänderliche Dinge zu akzeptieren, die Initiative zu ergreifen, wo ich eine Chance sehe etwas zu tun, aufmerksamer durchs Leben zu gehen, sich mit Leuten zu verbinden und so viele Dinge mehr, für die mir nun wirklich die Worte fehlen.

    Es gäbe noch so viel zu erzählen und trotzdem bleibt eigentlich nichts zu sagen, als:

    MEDASE PAA!!! (vielen, vielen Dank!)

    Hanne, Ghana 2014/15

  • Michelle in Mosambik

    Michelle in Mosambik

    „Und, wie war’s?“, lautet die berühmte Frage, die mich seit meiner Ankunft bis in den Traum verfolgt. Wie ich ein Jahr mal eben so zusammenfassen soll, das weiß ich immer noch nicht genau. Viele Leute sind glücklich, wenn sie von mir hören „Es war ein tolles, aufregendes Jahr“ und manche, die warten nur darauf zu sagen „Nee, also so etwas, das wäre ja gar nichts für mich…“. Das stört mich aber nur weniger, denn ich bereue es in keinem Stück ein Jahr aus meinem Alltag ausgestiegen zu sein und einen neuen zu Beginnen.


    Mein eindrucksvoller Freiwilligen- und Lerndienst in Mosambik hat nun nach 12 Monaten sowohl mit schmerzhaften Abschieden aber auch mit wunderschönen Erinnerungen ein Ende gefunden. Natürlich nicht ganz. Immerhin habe ich meine zweite Heimat, Mosambik, nun nicht einfach hinter mir gelassen. Mosambik, Maputo, meine Gastfamilie, meine Freunde, die Jungs aus dem Projekt, die Menschen auf der Straße, die ungestümen Chapa-Fahrer, die wunderschönen Momente am Meer und viel mehr – all dies begleitet mich noch immer. Im Traum, als auch im Alltag. Ich werde daran erinnert, wenn ich meine Capulanas um meine Hüfte wickle, wenn ich plötzlich in Portugiesisch denke, wenn ich mehr Peri-Peri (Chili-Sauce) in meinem Essen esse als je zuvor, wenn ich tanze wie Mosambikanerinnen, wenn ich nun Euros in Meticais umrechne oder wenn ich merke, dass ich hilfsbereiter, selbstbewusster, selbstständiger, geduldiger und lockerer bin.
    Ja, das einprägsamste Jahr in meinem Leben hat mich definitiv geschult, verändert und mir neue Perspektiven und Ansichtsweisen geschenkt.
    Mein Jahr fing turbulent an und die größte Herausforderung, die mich direkt begrüßte war „Olà, tudo bem? Fala português?“ (pt. Übersetzt „Hallo, alles klar? Sprichst du Portugiesisch?). Dass man sich anfangs wie ein Außenseiter fühlt, der nicht versteht, ob man jetzt den Topf oder das Huhn aus dem Wohnzimmer holen soll, ob man nach Beruf oder nach Religion gefragt wird oder ob man nun alles richtig gemacht hat oder nicht, das war durch die Sprachbarriere schon quasi vorprogrammiert. Aber das ging auch recht schnell wieder vorbei. Und als ich dann die Sprache auf einem ausreichenden Niveau beherrschte, fiel es mir nicht nur leichter Wörter zu verstehen, sondern es öffnete sich mir auch der Schleier zu der Mentalität vieler Mosambikaner. Als ich dann noch einige wenige Wörter auf Changana (meistverwandte Sprache in Maputo neben Portugiesisch) mit Ach und Krach bilden konnte, öffneten sich oftmals die Herzen der Menschen und sie waren noch freundlicher und gutmütiger. Interesse an der landeseigenen Kultur war immer willkommen und gerne gesehen.
    Neben der Sprache tauchte ich auch in die mosambikanische Musik- und Tanzwelt ein und nahm immer wieder an Tanzkursen teil, wo ich unter anderem Marrabenta und Xigubo lernte und eine Leidenschaft für’s Tanzen entwickelte.


    Auch wenn meine Gastmama oft vorwurfsvoll fragte welches mosambikanische Gericht ich denn in Deutschland kochen werde, denn ich hätte ja keine Ahnung davon, bekomme ich bestimmt ein paar meiner Lieblingsgerichte (z.B. Matapa oder Couve) so zusammen, dass sie stolz auf mich wäre. Ich muss nämlich zugeben, dass ich zum größten Teil meines Aufenthalts von meiner Gastfamilie mit dem Essen verwöhnt wurde und meistens nur in das Geschehen in die raffinierte mosambikanische Küche hineingeblickt habe (-Danke Mama für das leckerste Hühnchen und den besten Reis und deine stetige Sorge, ob es mir denn wirklich schmecke).
    Neben Lektionen wie „Wie ich am besten nicht meine Handynummer vergebe“ und „Wie man die Capulana richtig wickelt“, haben mich Mosambikaner immer wieder fasziniert und belehrt mit ihrer großzügigen Zivilcourage. Jeder interessiert sich irgendwie für jeden und wenn der angetrunkene Mann im Chapa auch nach der 3. Ermahnung nicht aufhört junge Mädchen verbal zu belästigen, dann schauen die Menschen nicht weg, sondern bieten Rückhalt und setzen sich selbst auch ein. An dieser Stelle möchte ich in Gedanken auch nochmal allen Menschen danken, die mit mir im Bus auf dem Weg nach Tofo saßen. Denn als sie mitbekamen, dass meine Freundin und ich, trotz mehrfacher Nachfrage, unser Rückgeld nicht vom Fahrbegleiter zurückbekamen und er uns mit Ignoranz bestrafte, machten sich alle für uns Stark und erklärten ihm, dass diese Art von Ungerechtigkeit derart unangebracht sei, da wir doch alle Geld bräuchten. Auch möchte ich mich bei dem jungen Mann bedanken, der mit so viel Kraft versucht hat, mich abzulenken und mich wieder zum Lächeln zu bringen, nachdem ich gerade einen sehr schlimmen Unfall beobachtet hatte. Oder auch der, der mir Bonbons schenkte, als mir gerade mein Handy geklaut wurde. Genau diese Menschen haben mich geprägt. Einsatzvermögen, Achtsamkeit, Bewusstsein, Respekt, Gelassenheit und Geduld sind einige von den vielen wertvollen Wichtigkeiten, die ich weder am Flughafen lassen konnte, noch wollte.
    Überraschenderweise werde ich, zurück in meiner Heimat, eher zweitrangig nach meiner Beschäftigung in Mosambik, nämlich meiner Arbeit im Centro Juvenil Ingrid Chawner, gefragt. Ich rede auch nicht mit vollem Elan darüber, denn mir fällt es schwer ein Resümee zu verfassen. Das Centro Juvenil Ingrid Chawner ist mir mit seinen pfiffigen Jungs, den liebevollen, aber manchmal auch barschen „Mamas“ (die Erzieherinnen) und den Ausflügen und Veranstaltungen sehr ans Herz gewachsen. Es ist ein schönes, herzliches Projekt, dessen Organisation zwar gut ist, aber mich als Freiwillige nur wenig einschloss. Ich bin mir sicher, dass ich noch mehr aus dem Jahr hätte rausholen können, doch mir fehlte die Struktur und noch mehr fehlte mir ein festes Team, mit dem ich hätte zusammenwirken können. Freiwillige und Praktikanten kamen und gingen. Gerade hatte man sich eingearbeitet und einen Plan für die Kids erstellt, da wurde mit einem Kuchen schon wieder Abschied gefeiert und ich blieb alleine zurück mit Freizeitplan und 30 Jungs. Das Projekt ist eigentlich wie geschneidert für Freiwillige: (meist) aufgeschlossene Jungs im Alter von 10-17, große Außenflächen, eine Bibliothek, und ein Chef, der bei Problemen immer ein offenes Ohr hat. Ich konnte mich insbesondere im Lehrbereich austoben und gab Portugiesisch-, Mathematik-, Englisch-, Deutsch-, oder Lese- und Schreibunterricht an die Kinder. Auch waren ein paar Kinder musikalisch interessiert und ich konnte ihnen Bockflöte beibringen. Die Bildung der Kinder war zwar als höchste Priorität herausgeschrieben, in der Realität wurde sie jedoch nur zweitrangig behandelt. Oft wurden die Kinder beim Lernen unterbrochen, um Fenster zu putzen, den Hof zu kehren oder den kaputten Swimmingpool zu reinigen. Auch Gespräche mit der Leitung schienen immer vielversprechend, doch Ziele wurden nur selten umgesetzt und ich verlor nach und nach die Motivation.
    Profitiert von dem Freiwilligendienst habe am meisten ich. Oft habe ich mich zwar überflüssig gefühlt, doch letztendlich habe ich viel gelernt und die Zeit im Projekt genossen. Ich bin nur leider keine Einzelgängerin.


    Mein absolutes Highlight: A minha família!
    Meine Gastfamilie war immer für mich da, immer fürsorglich, rücksichtsvoll und hat mich in ihr Familienleben miteinbezogen. Klar, der Anfang war schwer. Das war es bestimmt bei dem Großteil aller Freiwilligen. Man ist neu, fremd und wird erstmal beobachtet um herauszufinden, wie man mich einschätzen kann. Aber ich wurde direkt am Anfang auf eine 3-tägige Familienzeremonie eingeladen, auf Hochzeiten und Geburtstage mitgenommen und generell wollte man mich bei fast allem dabei haben. Meine Mama Angelica war zwar manchmal distanziert, aber ich wurde trotzdem irgendwann liebevoll von ihr „minha filha“ (pt. Übersetzt „meine Tochter“) genannt, bei Krankheit gab sie mir direkt Ratschläge und im Allgemeinen war sie stets um mein Wohlbefinden besorgt und war eine richtige Mama für mich. Eine noch bessere Tochter wäre ich vermutlich gewesen, wenn ich öfters mal in die Kirche gegangen wäre ;-)
    Auch meine Gastgeschwister waren mein Ein und Alles, immer für einen Spaß zu haben und ich erinnere mich zu gerne an rührende Momente, als z.B. meine sechzehnjährige Gastschwester Didi freudetanzend in mein Zimmer hineinstürmte, mir von ihrer gelungenen Klausur erzählte und mir um den Hals fiel oder die Abende als wir zusammensaßen und uns gegenseitig neckten und uns Geheimnisse erzählten. Sie war ein Sonnenschein, genauso wie ihre Nichte Samila, die zweijährige Tochter von meinem Gastbruder Cesar. Sie hat uns so viele freudige Momente geschenkt, Leben in die Familie gebracht und hat ständig mein Zimmer umgeräumt und ist mit meinen Sonnenbrillen durch die Gegend geflitzt. Auch Tchutchu (Cesar) war immer eine Vertrauensperson für mich und wir konnten über alles reden, unsere Herzen ausschütten und zusammen lachen. Mein ältester Gastbruder Niall (28 Jahre) war viel arbeiten und ich bekam ihn oft nur zum Abendessen zu sehen und ich bedauere es noch immer, dass ich die Geburt seiner Tochter ganz knapp verpasst habe.


    Meine Familie war ein großer Bestandteil meiner Zeit in Mosambik, immer für mich da und eine große Stütze für mich. Ich weiß nicht, wie viel ich zurückgeben konnte, doch ich bezweifle, dass nur ich die gemeinsamen Momente genossen habe. Und ich habe Sicherheit, dass ich mich besser hätte integrieren können, um den Anfang zu erleichtern und auch meine vielen Freizeitaktivitäten und Reisen haben dazu beigetragen, dass ich letztendlich nicht überaus viel Zeit mit meiner Familie verbracht habe. Trotzdem kann ich sagen, dass wir zusammen durch Dick und Dünn gegangen sind.

    Insgesamt war mein Auslandsjahr eine aufregende Achterbahnfahrt, die ihre Hochs und Tiefs hatte. Einiges hat mich überrascht und mein Leben auf den Kopf gestellt, doch mit einigen Dingen habe ich von Anfang an gerechnet. Z.B., dass der Anfang etwas schwer werden wird, dass ich keine Wunder im Projekt bewirken werde und, dass ich einen Prozess durchmachen werde in diesem Jahr. Ich habe mich nie verloren oder im Stich gelassen gefühlt. In Notsituationen waren AJUDE oder ICJA immer zur Hilfe zur Verfügung. Und den Rest…den habe ich auch so hinbekommen.


    Hätte ich die Chance nochmal von vorne anzufangen – ich würde es tun. Nachher ist man ja immer schlauer! Mehr Engagement, mehr Mut, mehr Integration im sozialen Umfeld, das hätte mir nicht geschadet. Dennoch habe ich das Jahr genossen und blicke mit angeknackstem Herzen auf den Abschied am Flughafen zurück.  Jede Achterbahn hat irgendwie ihr Ende. Aber die mosambikanische wird immer Teil von mir bleiben, auch wenn ich zweigleisig fahren muss.
    KANIMAMBO MOCAMBIQUE

  • Pia in Kolumbien

    Pia in Kolumbien

    „Home, sweet Home“ oder besser: „hogar, querido hogar“. Kolumbien ist mittlerweile mein Zuhause. Überall begegne ich Menschen, die ich kenne und die mich grüßen, ob in meinem Wohnviertel oder an meinem Arbeitsplatz, der Universidad Nacional (UNAL). Dieses „Erkannt-zu-werden“ gibt einem ein unglaubliches Gefühl des Angekommenseins, des Dazugehörens. Hinzu kommt, dass ich mittlerweile einige Lieblingsorte habe: das gemütliche Café in der Nähe der Uni oder mein Lieblings-Arepa-Stand von dem netten Señor aus Boyacá bei mir in Suba-Bilbao. Das absolute Gefühl der Geborgenheit verdanke ich aber vor allem meiner Gastfamilie, die mich so unangestrengt in ihre Familie integriert hat und mich mittlerweile völlig selbstverständlich „hija“, „nena“ und „preciosa“ nennt.


    In meinem Projekt habe ich mittlerweile auch meinen Platz gefunden. Ich organisiere und leite in diesem Semester zwei Konversationsclubs des ORIs: „Club de Alemán“ (Deutschclub) und „Club de Inglés“ (Englischclub). Die beiden Clubs richten sich an die kolumbianischen Studierenden der UNAL, die sich für einen Austausch interessieren. Dementsprechend geht es vor allem um Kultur, Traditionen, Stereotype, um die Vorbereitung auf einen Austausch und das Sprechen der Sprache. Beide Clubs waren in den ersten beiden Wochen extrem gut besucht (60-90 Teilnehmer*innen), was eine Herausforderung war. Diese Herausforderung lässt sich aber gut meistern und es motiviert mich immer wieder aufs Neue, wenn so viele Studierende Interesse und Spaß an meinen Clubs zeigen.


    Ein Hindernis für meine Arbeit war allerdings die Suche nach Räumen. Ich habe fünf Jahre lang an einer deutschen Uni gearbeitet und kenne deshalb die groben universitären Organisationsstrukturen. An der UNAL läuft die Raumverteilung allerdings völlig chaotisch. Es gibt so viele verschiedene Menschen, die jeweils für die Raumverwaltung der unterschiedlichen Gebäude zuständig sind und diese herauszufinden ist auch nicht mal ebenso möglich. Also war ich in diesem Punkt sehr auf die Hilfe meiner Kolleg*innen angewiesen, da ich als Freiwillige im ORI auch nicht in der Position bin, einen Raum anzufragen. Das war eine mühselige Angelegenheit und für mich war es sehr ungewohnt solche Dinge nicht selber regeln zu können, sondern auf die Zuverlässigkeit anderer angewiesen zu sein.

    Letztendlich haben sich Geduld und Hartnäckigkeit aber ausgezahlt und ich habe mit der Hilfe zweier Kolleginnen zwei tolle Räume für meine Clubs finden können.

    Das Verhältnis zu meinen Kolleg*innen ist nach wie vor wunderbar. Letztes Wochenende habe ich mit einigen von ihnen bereits den zweiten Wochenendausflug gemacht und der nächste ist schon wieder in Planung. Ich habe zu einigen Kolleg*innen also ein freundschaftliches Verhältnis, zu den anderen ein herzliches und kollegiales. Auch wenn es mal Probleme gibt (wie mit den Räumen), kann ich mich immer an meine Kolleg*innen wenden und mich mit ihnen austauschen. Ich fühle mich voll und ganz als Teil des Teams.

    Wie ich zu Beginn dieses Berichts schon gesagt habe, bin ich überglücklich mit meiner Gastsituation. Meine Gasteltern behandeln mich wie eine Tochter und ich genieße es mit ihnen zu quatschen und heiße Schokolade zu trinken. Ich kann mich an sie wenden, wenn mich etwas belastet, genauso wie wir viel zusammen lachen. Außerdem kann ich immer wieder Freund*innen zu mir nach Hause einladen, was mir noch mehr ein Gefühl des Zuhauseseins vermittelt.

    Mein Freundeskreis besteht mittlerweile zum Großteil aus Kolumbianer*innen, auch wenn ich natürlich nach wie vor viele von den anderen Freiwilligen sowie einige der Austauschstudierenden dazu zählen kann. Daher zeigt sich auch, dass sich mein anfängliches Sprachproblem weitestgehend erledigt hat  Mittlerweile führe ich tiefgründige und komplexe Konversationen auf Spanisch und das ist ganz selbstverständlich für mich geworden.

    Dank der vielen Gespräche mit meinen kolumbianischen Freund*innen und der vielen Reisen, die ich schon machen konnte, hat sich die Wahrnehmung meines Gastlandes definitiv noch weiter verändert. Mir ist zum Beispiel aufgefallen, dass die Kolumbianer*innen sehr viel und sehr hart arbeiten (was mir vor meiner Zeit hier noch nicht zu Ohren gekommen ist). Die meisten von ihnen arbeiten ca. 10 Stunden am Tag sowie viele auch noch samstags arbeiten müssen. Die Menschen, die eigene Geschäfte besitzen arbeiten fast immer 7 Tage die Woche, 10-12 Stunden am Tag. Trotzdem höre ich nur sehr selten, dass sich ein*e Kolumbianer*in über ihre/seine Arbeit beschweren würde. Denn ohne Arbeit wäre das Leben ja eindeutig schlechter.

    Kolumbianer*innen konzentrieren sich immer auf das, was sie haben und nicht (wie viele Deutsche) auf das, was sie nicht haben. Das Glas ist hier halb voll und nicht halb leer. Diese tiefe Zufriedenheit und dieser grundlegende Optimismus sind zwei kolumbianische Charakteristika, von denen ich mich gerne anstecken lasse und die dazu führen, dass ich immer wieder einen Ohrwurm habe und fröhlich vor mich hinträllere: „Don’t worry, be happy“

  • Rebekka in Mexiko

    Rebekka in Mexiko

    Nach einem halben Jahr begann ich für drei Tage die Woche in der Schule „ Jose Antonio Urquiza“ in einem kleinen Dorf außerhalb von Puebla zu arbeiten, die anderen zwei Tage besuchte ich weiterhin das „ Instituto Xochitl-Pilli“. In meiner neuen Schule warteten neue Aufgaben auf mich, ich war tagesweise bei den Kindergartenkindern, und den Schülern der ersten und zweiten Klasse. Im Kindergarten war ich häufig zuständig für die Kinder zwischen 3 und 4, während die Lehrerin mit den Kindern die bald in die Erste Klasse kommen arbeitete. Meistens gab sie mir gute Anweisungen im Bezug auf die Aufgaben der Kinder und ich wusste nach ein paar Tagen wie der Ablauf funktioniert und auf welche Sachen ich besonders achten muss. Mit der Kindergartenlehrerin verstand ich mich sehr gut und es herrschte ein angenehmes Arbeitsklima. Ich lernte die Kinder immer besser kenne und konnte nach und nach einschätzen, wie ihre Arbeitsweise ist und wie ich sie am besten unterstützen kann. Nach und nach erarbeitete ich mir ihren Respekt und wurden von ihnen dann auch als ihre Lehrerin anerkannt, was ein sehr schönes Gefühl war. Wenn Zeit zu spielen blieb, wurde die von allen Kindern auch sehr gerne genutzt und ich konnte auch mal mit ihnen einfach Spaß haben ohne darauf zu achten, dass sie alle ihre Aufgaben erledigten. In der ersten Klasse konnte ich die Lehrerin bei der Betreuung einzelner Kinder unterstützen. Ich arbeitete getrennt oder langsamer mit ihnen, während die Lehrerin den normalen Unterricht fortsetzten konnte.  Ihr Vertrauen ich mich, zeigte sie mir häufig, manchmal übernahm ich alleine eine Unterrichtsstunde während sie die nächste Stunde vorbereitete. Manchmal war es eine echte Herausforderung, da die Kinder auf sehr verschiedenen Bildungsleveln sind und es mir manchmal schwer fiel alle unter eine Hut zu bringen. Und trotzdem, hat es Spaß gemacht sich dieser Herausforderung zu stellen und sie zu meistern. In der zweiten Klasse lief es meist ähnlich ab, ich konnte meiner Lehrerin in verschiedenen Arbeitsbereichen behilflich sein. Manchmal beim korrigieren, beim Unterricht vorbereiten, bei viele Bastelarbeiten und bei der Förderung einzelner Schüler. Mit all meinen Schülern konnte ich schnell eine Bindung aufbauen und hatte das Gefühl sie akzeptieren mich als Lehrerin. Gemeinsam mit den anderen Lehrern bereiteten wir Schulfester vor, probten Tänze und bastelten Dekoration. Ich fühlte mich in ihrem Team aufgenommen und integriert. Das Arbeitsverhältnis war sehr angenehm und ich konnte mich mit allen Fragen an sie wenden. Mir gegenüber wurde von Kindern, Lehrern und auch Eltern sehr viel Interesse gezeigt und ich wurde täglich sehr herzlich empfangen. Mir wurde das Gefühl vermittelt nützlich sein zu können und mir wurden viele Aufgaben anvertraut. An meinem letzten Tag wurden mir viele liebe Worte auf den Weg mitgegeben und genauso sehr viel Anerkennung geschenkt, was ein tolles Gefühl und eine Bestätigung für mich persönlich war.


    Im Instituto Xochitl-Pilli hat sich für mich im zweiten Halbjahr wenig verändert. Ich war jetzt nur noch im Englischunterricht dabei und unterstütze weiterhin einzelne Schüler. Mit meiner Englischlehrerin verstand ich mich sehr gut, leider übergab sie mir auch nach wiederholter Nachfrage wenig zusätzliche Aufgaben, so dass ich mich, auch gerade im Vergleich zur anderen Schule, teilweise unterfordert fühlte. Auch auf verschiedene Vorschläge den Unterricht abwechslungsreicher zu gestalten, wurde leider nur selten eingegangen, was manchmal meinerseits ein bisschen Frustration auslöste. Dennoch hatte ich eine schöne Zeit, mit den Kindern verlief es weiterhin sehr gut und auch das Arbeitsverhältnis war insgesamt sehr angenehm, wenn auch weniger herzlich als in der Dorfschule.
    In diesem Jahr habe ich schrittweise in meinem Projekt dazugelernt. Ich lernte teilweise wie es ist zu unterrichten, wie ich einzelne speziell fördern kann, wie wichtig es ist Lob zu verteilen und gewann mehr Selbstvertrauen. Außerdem machte ich natürlich Fortschritte in der Sprache und baute so gute Verhältnisse zu  meinen Schülern auf.


    In meiner Gastfamilie hätte ich eigentlich nur ein halbes Jahr bleiben können, da dann meine ältere Gastschwester von ihrem Auslandsaufenthalt zurück kam. Im ersten halben Jahr hatten wir allerdings eine sehr gute Bindung zueinander aufgebaut und ich denke es wäre mir sehr schwer gefallen nochmal in eine andere Familie zu wechseln und mir dort das gleiche aufzubauen. Zum Glück war meine Gastmutter da ähnlicher Meinung und ich musste nur mein Zimmer wechseln. Das zweite halbe Jahr teilte ich mir also das Zimmer mit meiner 12-jährigen Gastschwester. Nach kurzer Eingewöhnungszeit hatten wir uns damit arrangiert, nicht mehr ein Zimmer alleine zu haben. Meine Gastfamilie ist für mich in diesem Jahr meine zweite Familie geworden, ich fühlte mich von ihnen aufgenommen als weiteres Familienmitglied.
    Auch in meinem sozialen Umfeld konnte ich im zweiten halben Jahr Freundschaften vertiefen und fühlte mich stets sehr wohl. Am Wochenende wurde weiterhin das Umland erkundet, sich mit Freunden getroffen oder Zeit mit der Familie gebracht. Ich habe mir in diesem Jahr meinen Alltag hier aufgebaut und der Abschied fällt daher auch sehr schwer, ich bin sehr dankbar für all die Erfahrungen die ich hier machen durfte, die mich bereichert haben und aus denen ich lernen konnte. Für all die schönen Momente, und auch die paar wenigen schlechten Tage aus denen ich genauso viel mitgenommen habe.


    Lachend steige ich mit der Lehrerin in den Bus ein, die Musik ist aufgedreht, es geht zurück Richtung Puebla. Ein Arbeitstag geht wieder zu Ende, die Zeit fliegt. Auf der Fahrt richte ich den Blick auf den liebevoll genannten Vulkan „Popo“, während ich mich mit meiner Lehrerin unterhalte, mittlerweile sind wir gute Freundinnen geworden. Ich freue mich auf das leckerer Mittagessen, welches mich zuhause erwartet genauso wie auf den Tanzkurs am späteren Nachmittag. Ich freue mich meine letzten Wochen in Puebla genießen zu können und darüber dass ich hier ein zweites Zuhause gefunden habe.

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